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Pizzicato

Die alpine Insel der Seligen

Vindobona locuta, causa finita.

In Abwandlung des geflügelten Worts „Roma locuta“, dem Dekret über das Ende einer Debatte durch Papst und Kurie, schwärmten Österreichs Spitzenpolitiker in Europa aus, um in seltener Einmütigkeit ein für allemal zu postulieren: „Österreich war neutral, ist neutral und bleibt neutral.“

So posaunte es Karl Nehammer, Leutnant der Reserve mit Couleurnamen „Mars“, bei seinem Besuch in Prag – und blendete en passant eine 1000-jährige Geschichte aus. In Brüssel betonte Klaudia Tanner, die Neutralität liege „im Herzen der Österreicher“, quasi in ihrer DNA. Und in Berlin stimmte Pamela Rendi-Wagnerin den Chor der Gralshüter des immerwährenden Status quo ein.

Österreich als „Insel der Seligen“, nach einem Diktum von Papst Paul VI. in der Ära des Sonnenkönigs Bruno. Wie Malta und Zypern. Auch eine Alpenfestung der Seligen, in dem die Tiroler Schützen die Bergwelt vom Montafon bis zum Schneeberg mit ihren Blechbüchsen verteidigen. Am Bodensee patrouilliert die gerühmte Vorarlberger Marine, und rund um den Neusiedler See streifen Hans Peter Doskozils Truppen durchs Schilf, um etwaige Expansionsgelüste von „Viktator“ Orbán abzuwehren. Und hoch zu Luft hat Felix Austria eine Armada von Adlern und Adebaren zur Flugabwehr in petto. Wer's glaubt, wird selig. (vier)

Reaktionen an: thomas.vieregge@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 19.05.2022)