Dietmar Reindl, Executive Board Member, Immofinanz AG
Zukunftssicherung

Geschäftsmodelle auf dem Prüfstand

Der erste Schritt am Weg zu einer Nachhaltigkeitsstrategie ist die kritische Analyse des Geschäftsmodells. Dieses gegebenenfalls auch grundlegend zu überdenken, zeuge auch von unternehmerischer Verantwortung, ist Immofinanz-COO Dietmar Reindl überzeugt.

„Der Wille, Verantwortung für Umwelt und Gesellschaft zu übernehmen, ist stark im Steigen. Kein Unternehmen traut sich mehr, zu sagen, dass Nachhaltigkeit nicht wichtig ist“, sagt Dietmar Reindl, Executive Board Member der börsenotierten Immofinanz. Häufig gäbe es dieses Bekenntnis jedoch nur auf dem Papier. „Davon, sie in das Geschäftsmodell einzubauen und täglich zu leben, sind viele Unternehmen aber noch weit weg“, so Reindl. Dabei würde vor allem in den Bereichen Social und Governance bereits einiges umgesetzt, nicht zuletzt, um sich angesichts des Fachkräftemangels als attraktiver Arbeitgeber zu positionieren. „Das müsste nur zusammen gefasst werden“, sagt Reindl, der zuversichtlich ist, dass sich künftig im Zusammenhang mit Nachhaltigkeitsbestrebungen noch viel tun werde. „Es gibt viel Druck auf die Unternehmen – und zwar von vielen Seiten“, sagt Reindl. Neulingen auf diesem Terrain rät er dazu, in einem ersten Schritt das Geschäftsmodell genau zu analysieren. „Man muss wissen, was es bewirkt, wie es auf Umwelt und Gesellschaft wirkt. Und hinterfragen, ob man gesteckte Ziele tatsächlich erreichen kann, sei es mit kleinen Anpassungen oder großen Maßnahmen. Gegebenenfalls sollte man sich auch nicht scheuen, das Geschäftsmodell grundlegend zu überdenken“, so Reindl. Sich diesen Fragen und Überlegungen zu stellen, zeuge von unternehmerischer Verantwortung. „Letztlich sind sie der Schlüssel dazu, um auch in den nächsten Jahren und Jahrzehnten im Markt bleiben und erfolgreich bestehen zu können“, sagt Reindl.

»"Man sollte sich nicht scheuen, das Geschäftsmodell grundlegend zu überdenken."«

Immofinanz-COO Dietmar Reindl

Die Immofinanz selbst hat sich dieser Aufgabe – auch angesichts der damals schon bevorstehenden EU-Taxonomie – bereits 2018 gestellt. Damals wurde ein Komitee mit „vielen engagierten Mitarbeitern“ (Reindl) ins Leben gerufen, das sich dem Thema Nachhaltigkeit und Umwelt widmete. Nach rund dreijähriger Vorarbeit wurde im Dezember des Vorjahres eine Net-Zero-Emission-Strategy präsentiert. „Wir wollen bis 2040 klimaneutral werden, Ziel ist die Elektrifizierung des Portfolios“, sagt Reindl. Dabei soll Strom in Zukunft so weit als möglich selbst produziert und direkt ins Netz eingespeist werden. Geplant sind vorerst einmal Photovoltaik-Anlagen auf den Dächern im Bestand, aber auch vertikale PV-Anlagen sind im Gespräch. In neuen Fachmärkten werden nur noch Luftwärmepumpen eingebaut, Wärmerückgewinnung ist ebenfalls ein Thema. „Meine Vision ist jedoch, eigene Windparks zu betreiben“, so Reindl, der Optionen dafür derzeit prüfen lässt.

Im Zuge von Überbauungen zahlreicher Fachmarktzentren sollen rund 12.000 leistbare Wohnungen entstehen.
Im Zuge von Überbauungen zahlreicher Fachmarktzentren sollen rund 12.000 leistbare Wohnungen entstehen.Lichtblau

Mittlerweile wird die auf den Schutz der Umwelt fokussierte Strategie zur umfassenden ESG-Strategie mit konkreten Maßnahmen und Zielen auch für die Bereiche Soziales und Governance ausgebaut. Dabei kann auch in diesen Bereichen auf bereits Bestehendem aufgebaut werden. „Es gibt bei uns beispielsweise seit Jahren Antikorruptionsseminare“, sagt Reindl, der betont, dass „uns gerade bei den Themen Soziales und Governance unser Geschäftsmodell sehr zugute kommt“. Er verweist in diesem Zusammenhang unter anderem auf das Projekt On Top Living, bei dem in den nächsten Jahren rund 12.000 Wohnungen mit insgesamt etwa 600.000 Quadratmetern in modularer Holzbauweise auf konzerneigenen Fachmärkten entstehen sollen. Die durchschnittliche Miete wird Reindl zufolge bei maximal zehn Euro pro Quadratmeter liegen. „Wir haben schon sehr früh und intensiv am Thema ESG gearbeitet. Daraus sind mehrere Entwicklungsansätze wie beispielsweise eben die Verdichtung im Bestand, aber auch die Reduzierung der Bodenversiegelung, Schaffung von höheren Grünflächenanteilen oder nachhaltiger Holzbau entstanden, die letztlich zu diesem Projekt geführt haben“, erzählt Reindl.


Dieser Browser wird nicht mehr unterstützt
Bitte wechseln Sie zu einem unterstützten Browser wie Chrome, Firefox, Safari oder Edge.