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Kunstsammlerin Irene Ludwig gestorben

Die deutsche Kunstsammlerin Irene Ludwig ist am Sonntag im Alter von 83 Jahren gestorben.
Die deutsche Kunstsammlerin Irene Ludwig ist am Sonntag im Alter von 83 Jahren gestorben.(c) APA / Jean Olivier Hucleux/VBK Wien 20 (Jean Olivier Hucleux/VBK Wien 20)

Peter und Irene Ludwig galten als bedeutendstes Kunstsammler-Ehepaar Deutschlands, in ihrer Stiftung trugen sie rund 12.000 Werke zusammen. Ludwig starb am Sonntag im Alter von 83 Jahren.

Die Kunstsammlerin Irene Ludwig ist tot. Sie starb im Alter von 83 Jahren am Sonntag nach kurzer, schwerer Krankheit. Dies teilte die Peter und Irene Ludwig-Stiftung in Aachen mit. Irene Ludwig und ihr Mann Peter (1925-1996) galten als Deutschlands bedeutendstes Kunstsammler-Ehepaar - er der große, beredte Mäzen in der Öffentlichkeit, sie die stille Akteurin im Hintergrund.

Mit großer Leidenschaft trugen sie rund 12.000 Kunstwerke zusammen - von der Antike bis zur Gegenwart. Leihgaben und Schenkungen gibt es in über 30 Museen, zwölf davon tragen den Namen Ludwig, unter anderem in Köln, Wien, Budapest und Peking.

Machten Pop-Art in Europa populär

Zu den herausragenden Stücken der Sammlung gehören Meisterwerke der sowjetischen Avantgarde zu Beginn des 20. Jahrhunderts und der Pop-Art der 60er Jahre, die durch das Ehepaar in Europa erst populär geworden ist. So wurde 1967 das Museum Ludwig in Köln gegründet - nachdem das Ehepaar der Stadt 300 Werke von Künstlern wie Georg Baselitz, Yves Klein, Robert Morris und Gerhard Richter geschenkt hatte.

Paar lernte sich auf der Uni kennen

Irene Ludwig stand nicht gerne im Rampenlicht. Sie stammte aus der alteingesessenen Aachener Schokoladenfabrik Monheim und wuchs mit vier Geschwistern auf. Sie studierte Kunstgeschichte an der Universität Mainz. Während des Studiums lernte sie Peter Ludwig kennen, den sie 1951 heiratete. Peter Ludwig trat in die Schokoladenfabrik seiner Schwiegereltern ein, wurde geschäftsführender Gesellschafter und Aufsichtsratsvorsitzender. Neben seiner unternehmerischen Tätigkeit widmeten er und seine Frau sich in jeder freien Minute der Kunst.

Nach dem plötzlichen Tod ihres Mannes vor 14 Jahren zog Irene Ludwig in dessen Büro, um sein Lebenswerk fortzuführen. 1998 gründete sie die Peter und Irene Ludwig-Stiftung und schuf damit die Basis für eine dauerhafte Unterstützung der Museen und Einrichtungen, die über wichtige Schenkungen oder Leihgaben der Sammlung verfügen. "Unsere Arbeit wird auch nach dem Tod von Irene Ludwig in ihrem Sinne weitergehen", sagte der Geschäftsführende Vorsitzende der Stiftung, Walter Queins.

Werke in MUMOK-Sammlung

Im Museum Moderner Kunst Stiftung Ludwig Wien (MUMOK) reagierte man Tod der Kunstsammlerin mit tiefer Trauer: "Mit Frau Ludwig verlieren wir eine der größten Sammlerinnen der zeitgenössischen Kunst. Mit größtem Respekt blicke ich auf ihr Lebenswerk zurück", so Direktorin Karola Kraus. Eine rund 100 Werke umfassende Leihgabe des Sammlerpaares schuf 1977 einen später immer wieder erweiterten Sammlungskern für das damals noch junge Museum moderner Kunst. 1981 wurde die Österreichische Ludwig-Stiftung für Kunst und Wissenschaft gegründet, 1991 der Stiftungsvertrag erweitert. Seither trägt das Museum den Namenszusatz "Stiftung Ludwig".

Auch Kulturministerin Claudia Schmied würdigte die Verstorbene. "Mit dem Tod von Irene Ludwig verliert die europäische Kunstwelt eine prägende Sammlerpersönlichkeiten. Die Bedeutung der Stiftung Ludwig für die österreichische Museumslandschaft und den Erwerb von zeitgenössischem Kunstbestand war und ist groß", so Schmied.

Zahlreiche Auszeichnungen

Ludwig erhielt viele Auszeichnungen, darunter 1978 den Professoren-Titel durch den österreichischen Bundespräsidenten Rudolf Kirchschläger, und den Verdienstorden der Bundesrepublik Deutschland. 1996 war sie mit dem Großen Goldenen Ehrenzeichen mit dem Stern für Verdienste um die Republik Österreich ausgezeichnet worden.

(APA)