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Talk

Ein Klimaplan mit österreichischer Handschrift

Im Gespräch (v. l. n. r.): Michael Tojner, Christian Keuschnigg, Brigitte Ederer, Stefan Schleicher und Anna-Maria Wallner.
Im Gespräch (v. l. n. r.): Michael Tojner, Christian Keuschnigg, Brigitte Ederer, Stefan Schleicher und Anna-Maria Wallner. (c) Jana Madzigon
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Talk. Die Veranstaltungsreihe „Club 20“ stand diesmal ganz im Zeichen der Klimakrise. Dabei im Fokus der Expertenrunde: Österreichs Klimaplan.

Die Klimakrise betrifft, daran gibt es keinen Zweifel, uns alle. Dabei kann Österreich, ein vergleichsweise kleines Land, den globalen Klimawandel kaum beeinflussen. Durch nachhaltige Innovationen könnte die Republik dennoch weltweite Klimalösungen beisteuern. Aber wie kann das gelingen? Und: Wie sieht ein effizienter Klimaplan für Österreichs aus?
Zukunftsweisende Fragen, denen sich ein hochkarätiges Expertenteam aus Wirtschaft, Industrie und Lehre im Rahmen der Diskussionsrunde „Club 20“, moderiert von „Presse“-Journalistin Anna-Maria Wallner, im Hotel InterContinental am Wiener Stadtpark stellte. Ideen für Lösungs- und Innovationsan-sätze haben die Experten jedenfalls viele – genauso wie Appelle an die heimische Politik. Denn angesichts eines Krieges in Europa, steigender Energiepreise und immer lauterer Rufe von Initiativen wie „Fridays for Future“ werden diese immer drängender.

Mit Innovationskraft voraus

„Ein guter Plan muss realisierbar und rasch erfüllbar sein“, ist Brigitte Ederer, Sprecherin des Forums Versorgungssicherheit, ehemalige Siemens-Managerin und Politikerin, überzeugt. „Mit erneuerbaren Energien werden wir das in dem Ausmaß aber nicht so schnell schaffen.“ Ein Zukunftsthema ist für Ederer daher die Speicherung von erneuerbaren Energien. Aber auch der Ausbau der Netze (Stichwort Digitalisierung) sowie die Erhöhung des Wirkungsgrades von Wasserstoff stehen auf ihrem Klimaplan. „Im Moment ist die Erzeugung und Nutzung hier noch nicht ausgereift genug“, so Ederer.

Laut Christian Keuschnigg, Professor für Nationalökonomie an der Universität St. Gallen und Leiter des Wirtschaftspolitischen Zentrums WPZ, brauche es einerseits kräftige Investitionen in Forschungszentren, um den Ausbau der Grundlagenforschung voranzutreiben, andererseits sollten auch private Innovationen in der Wirtschaft stärker unterstützt sowie hohe CO2-Preise – die CO2-Bepreisung soll in Österreich ab Juli starten – angesetzt werden. Eine Win-win-Situation: Denn neben dem Schutz des Klimas stärkten Innovationen auch den heimischen Wirtschaftsstandort und die globale Wettbewerbsfähigkeit, so Keuschnigg. Ein Strukturwandel müsse aber mit begleitenden Maßnahmen einhergehen. Dafür sei auch Aufklärungsarbeit hilfreich, um die Sensibilität der Bevölkerung zu erhöhen.

Krisenadäquate Anreizmechanismen zu setzen, sei in Österreich jedoch noch ausbaufähig, befindet Stefan Schleicher, Professor am Wegener Center für Klima und Globalen Wandel an der Karl-Franzens-Universität Graz. Er wünsche sich Novellierungen, um Genehmigungen für Windkraft- und Solaranlagen schneller voranzutreiben sowie Anreize für Haushalte und Unternehmen, Elektrizität und Gas durch höhere Effizienz bewusst herunterzufahren.

Gleichzeitig gebe es in Österreich bereits einige Beispiele für sehr gelungene Innovation. Etwa im Bereich des innovativen Bauens, bei Quartierskonzepten und im Bereich der energieintensiven Industrie, wie etwa Stahlproduktion oder Raffinerie. Hier existierten weit gediehene Konzepte, „die viel mehr Beachtung verdienen“, so Schleicher.

Neue Chance für Industrie

Daran arbeitet auch Michael Tojner, Unternehmer und Mehrheitseigentümer der VARTA AG, Montana Aerospace AG und Aluflexpack AG. Die Montana Aerospace AG wurde zum Beispiel bereits selbst zum Innovator: Das Unternehmen produziert Flugzeugteile und setzt dabei auf Recycling, lokale Produktion und kurze Lieferketten. „Es werden alle Teile unter einem Dach produziert. 98 Prozent der Komponenten unserer Flugzeugteile können wiederverwertet werden“, so Tojner.

Er betrachtet die Klimakrise als eine Chance: Um technologische Innovationsprozesse anzustoßen und voranzutreiben, Industrie neu zu denken. Gefragt sind nun, so Tojner, Mut zu Entscheidungen sowie schnelle Handlungen. Und zwar nicht nur in der Industrie, sondern auch in Politik und Gesellschaft – und auch im kleinen Österreich.

www.club20.net

Information

Dieser Artikel basiert auf einer Medienkooperation mit der „Presse“ und wird finanziell von Montana Tech Components AG unterstützt.


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