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Pandemie

Wie geht es mit Corona weiter? Experten entwerfen fünf Szenarien

Die Maske wird im Herbst voraussichtlich wieder notwendig sein, sind die Experten überzeugt.APA/HELMUT FOHRINGER
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Man müsse immer auf den ungünstigsten Fall vorbereitet sein, sagte die Virologin Dorothee von Laer. Die verkündeten Lockerungen ab Juni sehen die Experten teilweise kritisch.

Wie sieht die Zukunft der Corona-Pandemie aus? Welche Varianten kommen noch auf uns zu? Welche Maßnahmen werden nötig sein? Mit diesen Fragen beschäftigten sich Experten im Rahmen der "Future Operations Plattform" des Instituts für Höhere Studien (IHS). Sie entwarfen fünf Szenarien über die Zukunft der Pandemie und forderten von der Politik, sich auf alle vorzubereiten. Die Lockerungen ab Juni kommentierten die Experten teils kritisch.

„Es geht hierbei nicht um Wahrsagerei, sondern darum, Parameter festzulegen, um sich bestmöglich auf die nächste Welle vorbereiten zu können“, meinte der Genetiker Ulrich Elling vom Institut für Molekulare Biotechnologie. Und er stellte die fünf Pandemie-Szenarien der Experten vor:

Die Szenarien

Szenario 1 - Pandemie ist vorbei: Es gibt in Zukunft ausschließlich  Omikron-Varianten. Sollte dieser Fall eintreten, „können wir Impfstoffe anpassen, Menschen schon vorher impfen und unsere Immunität würde besser werden“, erläutert Elling.

Szenario 2 - Pandemie geht zu einer Endemie über: Die Zahl der Varianten bleibt eingrenzbar.

Szenario 3 - Übergang zur Endemie dauert noch etwas länger: Omikron- und Delta-Varianten dominieren das Infektionsgeschehen. Das heißt, es kommt zwar noch zu schweren Verläufen. Da aber viele Menschen geimpft oder genesen sind, ist der Immunschutz gegen diese Varianten noch relativ hoch.

Szenario 4 - Pandemie hält an: Infektiösere und gefährlichere Varianten, die das Schlechte von Omikron und Delta kombinieren, setzen sich durch. Sie erhalten dadurch die Pandemie am Leben und belasten die Intensivstationen.

Szenario 5 - Pandemie eskaliert: Neue und schlimmere Varianten als Delta und Omikron dominieren das Pandemiegeschehen. Die Menschen hätten keinen Immunschutz mehr, es würde zu massiven Inzidenzen kommen. Eine Zero-Covid-Strategie wäre wohl nötig, meinte Elling.

„Radar zur Früherkennung"

„Man muss immer auch auf den ungünstigsten Fall vorbereitet sein und darf nicht einfach auf den besten hoffen“, meinte die Virologin Dorothee von Laer. Es braucht deshalb auch Maßnahmen, um vor allem auf das Worst-Case-Szenario vorbereitet zu sein.

Die Experten empfehlen ein „Radar zur Früherkennung“, um die Situation möglichst im Auge zu behalten. Hierfür solle man sich auf nationale Abwassermonitoring-Programme, ein aktives Überwachungssystem für Covid-19-Fälle bei niedergelassenen Ärzte oder auch Untersuchungen von Zufallsstichproben in der Bevölkerung stützen, meinte Arne Bathke von der Universität Salzburg.

Pausierung der Masken könnte man im Herbst bereuen

Weniger als 70 Prozent der Österreicherinnen und Österreicher verfügen über einen gültigen Impfschutz. Es gelte daher, die Impfquote zu erhöhen. „Haben wir eine höhere Impfquote, ist auch die Strenge der Maßnahmen, um den Pandemieverlauf zu verbessern, niedriger", sagte IHS-Gesundheitsökonom Thomas Czypionka. Eine allgemeine Impfpflicht hält er aber nicht für das geeignete Instrument dafür. Es gehe eher darum, die Menschen für den Stich zu gewinnen.

Die heute verkündete Pausierung der Maskenpflicht sahen die Experten teilweise kritisch. Es sei eine Gefahr, den Menschen zu vermitteln, dass man die Maske nicht mehr brauche, meinte Czypionka. Denn im Herbst sei die Maske in vielen Bereichen voraussichtlich wieder notwendig. Es stelle sich deshalb die Frage, ob die Menschen dann auch noch mitmachen. „Ich befürchte, dass dieses Hin und Her die Maskendisziplin erodiert und wir das im Herbst bereuen werden“, sagte Elling.

An den Schulen sei es durchaus vertretbar, das Testregime nun zurückzufahren, meinte Elling. Gerade in dem Bereich stoße die Akzeptanz für eine Wiedereinführung von Eindämmungsmaßnahmen vermutlich auf viel Akzeptanz, glaubte Tanja Stamm von der Meduni Wien. „Denn gerade Schülerinnen und Schülern sowie Eltern und Lehrenden sind offenen Schulen besonders wichtig“, betonte sie.