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Filmfestival Cannes

Ein Killer im Namen Allahs

Holy Spider
Auf Mörderjagd in der schiitischen Hochburg Maschhad: Journalistin Rahimi (Zar Amir Ebrahimi) im Cannes-Wettbewerbsfilm „Holy Spider“.Festival De Cannes
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Ist Misogynie der schlimmste Horror von allen? Zwei Cannes-Filme legen den Gedanken nahe: der iranische Killer-Thriller „Holy Spider“ und das Spukstück „Men“.

Wenn es in Cannes um Geschlechtergerechtigkeit geht, mangelt es nie an schönen Worten. „Ich will, dass meine Decke anderen einen Boden bereitet“, sagte US-Starschauspielerin Viola Davis heuer im Zuge des „Women in Motion“-Events an der Côte d'Azur. 2015 wurde die Veranstaltung vom Luxusartikelkonzern Kering als Plattform für Frauenförderung in der Filmbranche initiiert und sorgt seither für wachsende Aufmerksamkeit. Keine Frage, dass solche Initiativen in der Post-#MeToo-Ära wichtig sind und Wirkung zeigen: Die Präsenz weiblichen Filmschaffens nimmt im europäischen Festivalzirkus stetig zu. Dennoch zählt Cannes im Vergleich zu Berlin und Venedig eher zu den Schlusslichtern.

Während Frauen bei der Berlinale heuer fast die Hälfte der Wettbewerbsfilme stellten, ist es in Cannes weniger als ein Viertel. Im Vorjahr war dieser Anteil annähernd gleich. Dafür gewann Julia Ducournau 2021 als erste Regisseurin überhaupt eine (ungeteilte) Goldene Palme für ihren genderfluiden Thriller „Titane“. Dieses Jahr könnten Filmemacherinnen wie Claire Denis, Kelly Reichardt oder Léonor Serraille die Trophäe erhalten. Und wenn nicht, gibt es wenigstens einen kleinen Trost: Immer mehr männliche Kollegen nehmen sich selbst in die feministische Pflicht. Und erheben Anklage gegen Misogynie.