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Energie im Wandel

"Talk@Raiffeisen" ist eine exklusive Veranstaltungsreihe zwischen der Raiffeisenlandesbank OÖ und der Industriellenvereinigung OÖ.RLB OÖ René Lueth
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Die Raiffeisenlandesbank OÖ und die Industriellenvereinigung OÖ luden zum Gespräch über die Erdgas-Situation, erneuerbare Energien und die Herausforderungen für die heimische Industrie.

Die heimische Industrie ist zu rund achtzig Prozent abhängig von russischem Erdgas – bis 2027 soll der Ausstieg vollzogen sein. Die Raiffeisenlandesbank OÖ und die Industriellenvereinigung OÖ haben im Gespräch mit Energie-Control Austria, Voestalpine AG und Verbund AG die Energiezukunft Österreichs beleuchtet.

In den vergangenen Wochen wurden in der Station Baumgarten, Österreichs größter Import- und Übernahmestelle für Erdgas, immer mehr Variationen festgestellt. Schließlich kommen zahlreiche Gasflüsse über die Ukraine nach Österreich. „Man konnte auch den Medien entnehmen, dass jetzt weniger Gas in Baumgarten ankommt. Aktuell ist das aber noch nicht problematisch, weil die Versorgung noch gedeckt werden kann“, sagte Alfons Haber, Vorstandsmitglied der Energie-Control Austria. Es seien zwar „nur“ rund 25 Terawattstunden und damit ein Viertel des Jahresverbrauchs an Erdgas eingespeichert, im europäischen Vergleich sei das aber ein guter Wert.

Seit 30. März befindet sich Österreich in der Frühwarnstufe der europäischen SOS-Verordnung zur Gewährleistung der sicheren Erdgasversorgung. „In der Frühwarnstufe geht es vor allem darum, Informationen über die Gasflüsse und Speicherfüllstände zu beschaffen, um schnell reagieren zu können“, erklärte Haber. Basierend auf dem Energielenkungsgesetz, das früher über den Bundeslastverteiler und seit rund zwanzig Jahren über die E-Control geregelt wird, besteht eine Monitoringverpflichtung gegenüber den Großkunden. Seit Ende Februar ist deshalb ein Krisenmanagement-Team im Einsatz, das die Daten zur Versorgungssituation fast im Stundentakt abruft. Neben den Industriekunden muss auch für die geschützten Haushaltskunden die Gasversorgung stets sichergestellt sein, und aufgrund der Lieferverpflichtung nach Italien ist auch die dortige Nachfrage zu berücksichtigen: „Baumgarten ist ein wesentlicher Knotenpunkt, um Transite nach Ungarn und Italien zu gewährleisten“, betonte Haber.

Veränderung schon im Vorjahr

Die Österreichische Energieagentur geht davon aus, dass man die achtzigprozentige Abhängigkeit von russischem Erdgas mit dem Ausbau der erneuerbaren Energien, aber auch mit Biogas, Einsparungen und Substitutionen bis 2027 ersetzen kann. „Russisches Gas wurde im vergangenen Jahr zwar nach Europa geliefert und somit die vertraglichen Verpflichtungen eingehalten, allerdings am unteren Rand der Bandbreite. Zudem hat der Energiehunger in Asien dazu geführt, dass amerikanisches Flüssiggas gar nicht mehr in Europa angekommen ist. Das war in den Jahren davor anders – es wurde mehr Gas geliefert, wodurch die Speicher gefüllt werden konnten“, erläuterte Michael Strugl, Vorstandsvorsitzender der Verbund AG. Durch die höhere Nachfrage und das knappere Angebot sind die Preise aller Energieträger – Öl, Kohle, Gas und Strom – im Jahr 2021 gestiegen, nun ist auch noch der Ukraine-Krieg dazu gekommen. „Die Energiepreise sind so hoch wie noch nie, aber auch die Gewinne der Energieversorger“, fügte er hinzu.

Die Explosion der Gaspreise habe auch zu einer „völligen Eskalation der Strompreise“ geführt, da sich der Strompreis zu neunzig Prozent am Gaspreis und zu zehn Prozent am CO2-Preis orientiert. Die Verteuerung von Kohlenstoffdioxid (CO2) sei ein wesentlicher Preisfaktor: „Es war ja auch politisch gewollt, dass CO2 einen Preis bekommt. Dementsprechend wurde die fossile Stromerzeugung, beispielsweise mit Kohle- und Gaskraftwerken, deutlich teurer“, sagte Strugl. Rund ein Fünftel der Stromproduktion in Österreich sei immer noch gasbasiert: im Sommer zwischen fünf und zehn Prozent, im Winter sogar zwischen 25 und 30 Prozent.

Wie die gesamte Industrie ist auch die Voestalpine von den hohen Energiepreisen betroffen. „Wir haben eine gute Nachfrage, aber die Kunden geben die höheren Energiepreise natürlich an die Endkunden weiter. In vielen Bereichen wird es uns nur zeitverzögert möglich sein, diese Preise tatsächlich zu lukrieren“, sagte Herbert Eibensteiner, CEO der Voestalpine AG. Aufgrund der hohen Preisdifferenzen zu anderen europäischen Ländern, aber auch Amerika und Asien, werde die österreichische Industrie zukünftig an Wettbewerbsfähigkeit einbüßen: „In Nordeuropa etwa ist der Strompreis deutlich niedriger und die österreichische Industrie ist sehr stark exportorientiert“, so Eibensteiner weiter. Die gemeinsame Strompreiszone mit Deutschland wurde 2018 getrennt, wodurch die Strompreise in Österreich gestiegen sind. Das sei Eibensteiner zufolge der mangelhaften Netzverfügbarkeit geschuldet. Da die generelle Wettbewerbsfähigkeit hierzulande aber sehr hoch, innovativ und technologieorientiert sei, werde sich die Situation langfristig voraussichtlich einpendeln: „Dazu müssen aber Behördenverfahren verkürzt werden, wo interessanterweise das Klimaministerium auf der Bremse steht. Das behindert den Ausbau der Netze.“ Allein der Ausbau der Salzburgleitung habe durch die Verfahren acht Jahre lang gedauert, ergänzte Strugl: „Die Netzengpässe, die es dann gibt, führen natürlich dazu, dass günstigerer Strom, der in Europa verfügbar wäre, in Österreich nicht mit dem entsprechend niedrigeren Preis am Markt sein kann.“

Hoffnung auf Wasserstoff

In Zukunft wird es die Aufgabe sein, die Industrie mit erneuerbaren Energien zu betreiben. „Wir stehen in den Startlöchern und können nicht starten, weil die Infrastrukturmaßnahmen nicht schnell genug umgesetzt werden“, sagte Eibensteiner. Mit den aktuellen Behördenverfahren sehe er „keine Chance“, russisches Erdgas tatsächlich bis 2027 ersetzen zu können.

Auch Strugl ist skeptisch: „Es wird schwierig sein, diese Gasmengen aus anderen Quellen zu beschaffen. Möglicherweise kommt Wasserstoff früher als angenommen.“ Österreich sei diesbezüglich noch nicht so weit wie Deutschland oder Italien, eine Strategie und Ausbauziele für die Wasserstoff-Initiative hat die Europäische Kommission aber bereits vorgelegt. „Es ist wichtig, dass Österreich hier nicht den Anschluss verliert. Wir haben Unternehmen, die dringend dekarbonisieren müssen, dazu zählt auch die Voestalpine“, betonte Strugl. Die entsprechenden Rahmenbedingungen gebe es in anderen Ländern, in Österreich aber noch nicht.

Der Ausbau der Netze könnte auch den Strompreis reduzieren: Ein Mehr an eigener Erzeugung und der Ausbau der erneuerbaren Energien in ganz Europa sei das Gebot der Stunde. „Zumindest bis zum zweiten Quartal 2023 werden die Preise sehr hoch bleiben“, sagte Haber. Ob tatsächlich eine Erholung eintritt, sei aber erst 2023 oder 2024 gewiss.

www.raiffeisen.at/ooe 

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Dieser Artikel basiert auf einer Medienkooperation mit der „Presse“ und wird finanziell unterstützt von RLB OÖ.