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"Alle gehen aus Euro raus": Euro fällt unter 1,30 Dollar

Dollar Euro
(c) AP (Andrew Medichini)

"Es ist deprimierend", sagt ein Experte. Viele Investoren schichten derzeit in den als sicherer Hafen geltenden Schweizer Franken um.

Der Euro ist am Dienstagvormittag erstmals seit September unter die Marke von 1,30 Dollar gerutscht. Im Tagesverlauf fiel der Euro zeitweise bis auf 1,2981 Dollar, konnte sich in Folge aber wieder etwas erholen. Auch gegen Schweizer Franken und Yen gab der Euro deutlich nach.

Bestimmendes Thema war weiter die Sorge um eine Ausweitung der Schuldenkrise in Europa auf weitere Länder. Nachdem zuletzt Portugal und Spanien an den Märkten als Problemkandidaten gehandelt wurden, berichteten Händler in Wien nun sogar von Marktgerüchten über mögliche Probleme in Deutschland und Frankreich.

"Alle gehen derzeit aus dem Euro raus"

"Es ist deprimierend. Alle gehen derzeit aus dem Euro raus", sagte ein Wiener Devisenhändler. Viele Investoren würden derzeit in den als sicherer Hafen geltenden Schweizer Franken umschichten. Dies habe auch die in den Euro/Franken-Optionen eingepreiste Volatilität nach oben getrieben.

Die implizite Volatilität für Euro/Franken liege derzeit sogar über jener von Euro/Dollar, "ein Phänomen das lange nicht zu beobachten war", berichtete ein Händler. Für größere Schwankungen am Markt könnte derzeit nach Einschätzung von Händlern auch der Monatsultimo führen, zu dem viele Marktteilnehmer ihre Positionen bewerten müssen.

China bricht Lanze für den Euro

Indes hat am Dienstag die amtliche chinesische Nachrichtenagentur Xinhua einen Kommentar veröffentlicht, wonach die Schuldenkrise in der Euro-Zone nicht das Ende der Gemeinschaftswährung bedeute. Der Euro stehe derzeit zwar vor seiner größten Herausforderung, doch die Europäische Union verfüge über die finanziellen Mittel, um diese zu bewältigen. So sehe der EU-Rettungsmechanismus genügend Geld vor, um Portugal zu helfen, falls dies nötig werden sollte. "Falls die Krise Spanien überflutet, dann bedeutet dies großen Ärger, aber auch nicht das Ende des Euro", hieß es weiter.

Die Gemeinschaftswährung ist Xinhua zufolge ein großer Erfolg der europäischen Integration und ein Meilenstein der globalen Geldpolitik. Er habe sich nach dem Dollar zur zweitwichtigsten Währung entwickelt. Trotz seiner Schwächen, die derzeit in der Schuldenkrise offenbar würden, habe der Euro wirtschaftliche Vorteile und Währungsstabilität gebracht. "Eine Auflösung der Euro-Zone wäre politisch untragbar", hieß es in dem unter Brüsseler Ortsmarke verfassten Kommentar weiter.

China hält gigantische Währungsreserven

Die chinesischen Währungsreserven summieren sich nach offiziellen Angaben auf 2,65 Billionen Dollar (2 Billionen Euro). Wie hoch der Euro-Anteil ist, wurde bisher nicht veröffentlicht. Die Regierung in Peking hat wiederholt ihr Vertrauen zu der europäischen Gemeinschaftswährung bekundet.

(Ag.)