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Ausblick

Gar nicht so vage: Die neue französische Welle

Brennstoffzelle an Bord, damit mehr Reichweite: Renault-Studie Scénic.
Brennstoffzelle an Bord, damit mehr Reichweite: Renault-Studie Scénic.(c) Werk
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Der Renault Scénic Vision ist mehr als nur ein Concept-Car – genau genommen ist er deren drei. Eine Lösung für das leidige Problem der Elektro-Reichweiten ist auch dabei.

Konzeptfahrzeuge sind meistens mehr oder weniger gelungene Eyecatcher: Selten fahrtüchtig, und das utopische Provisorium ihrer Innenräume ist bestenfalls zum Anschauen da. Der Scenic Vision ist hingegen ein de facto einsatzfähiges Fahrzeug. Renault hakt damit einen ganz persönlichen Fahrplan ab: das Design von morgen, das Bedienungskonzept von übermorgen und den Antrieb für danach.

Nouvelle Vague

Dem kühlen, glatten Look werden wir schon 2024 beim Nachfolger des aktuellen Scénic wieder begegnen. Die schneidige Kombination aus bündigen Flächen und geometrischen Elementen trägt den Namen „Nouvelle Vague“, wie die seinerzeit revolutionäre französische Filmkunst der 1950er- und 1960er-Jahre. Der kommende Scénic wird mit seiner heutigen Vision äußerlich einiges gemeinsam haben, der platzökonomisch immer günstigen Elektroplattform lässt sich sein großzügiges Innenraumkonzept gut überstülpen.

Mit 4,5 Metern Außenlänge ist der Scénic Vision recht ausgewachsen, kaschiert seine Größe äußerlich aber sehr geschickt. Sein Bedienungskonzept soll plangemäß ab 2028 in die Serienmodelle von Renault einsickern.

Von der Marschroute Richtung Digitalisierung weicht es zwar nicht ab, statt des obligaten Riesenbildschirms mit zahllosen Menüs gibt es aber mehrere kleine Displays, die sich mit einzelnen Funktionen belegen lassen – etwa für Radio, Klima, Navigation oder Telefon. Vorteil: Der Fahrer kennt seine Belegung und kann sie praktisch blind, also ohne unnötige Ablenkung, bedienen.

Neu ist auch die Mischung aus Widescreen-Cockpit und Head-up-Display über die gesamte Breite unterhalb der Frontscheibe. Alle fahrrelevanten Anzeigen passieren dort, beim Abbiegen wird der wegen der immer massigeren A-Säulen nicht einsehbare Winkel als Kamerabild angezeigt.

Für das Problem der in der Praxis immer noch mickrigen Elektro-Reichweiten setzt der Scénic Vision auf eine hybride Lösung aus Batterie und Wasserstoffantrieb. Die 15-kW-Brennstoffzelle erhöht einerseits die Fahrdistanz und ist auch eine Alternative zum Ärgernis der langen Ladezeiten – der H2-Tank ist so rasch befüllt wie der eines herkömmlichen Diesel oder Benziners und schafft beruhigende 150 Kilometer Reserve. Weswegen der Scénic Vision auch mit einer kleineren Batterie und weniger Gewicht auskommt – er rückt damit einer sinnvollen Balance aus umweltschädlicher Herstellung und tatsächlicher Emissionsvermeidung näher. Der 40-kWh-Akku des 218 PS starken Stromers reicht so für insgesamt 550 Kilometer Reichweite.

Renault sieht die Technik als Lösung für die Zeit ab 2030 und nennt sogar schon eine Preisvorstellung: Ein Wasserstoff-Elektro-Hybrid soll nicht mehr kosten als ein heutiges Batteriefahrzeug der gleichen Größe. Gemessen am aktuellen Mégane Electric wären das ab 40.000 Euro. (pab)

Compliance-Hinweis: Die Reisen zu Produktpräsentationen wurden von den Herstellern unterstützt. Testfahrzeuge wurden kostenfrei zur Verfügung gestellt.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 27.05.2022)