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Urlaubscomeback

„Revenge Travel“ - die Rache der Reiselustigen

Hat die Pandemie den Menschen Verzicht und Nachhaltigkeit gelehrt? Ein neuer Reisetrend schmälert die Hoffnung diesbezüglich. Denn in puncto Reisen ist jetzt Rache angesagt.

Nach über zwei Jahren der Pandemie, inklusive episodischer (Reise-)Einschränkungen, ist der Hunger nach der Ferne groß. In den sozialen Netzwerken hat sich dafür selbstverständlich schon längst ein neues Modewort durchgesetzt: „Revenge Travel“, zu Deutsch Rache-Reisen. Damit gemeint ist der „starke Wunsch zur Wiederherstellung von zuvor eingeengten oder eliminierten Freiheitsspielräumen“, liest man auf der Webseite des deutschen Kompetenzzentrums Tourismus des Bundes. Salopp könnte man auch sagen: „Jetzt erst recht, das Leben ist kurz.“ Ein Jugendlicher im Jahr 2012 würde wahrscheinlich „Yolo“ (You only live once, zu Deutsch: Du lebst nur einmal) rufen. 

Nun ist es also großteils wieder möglich, Grenzen auch ohne strenge Auflagen zu überqueren. Und der CO₂-Fußabdruck von Langstreckenflüge und Autofahrten rückt ganz plötzlich wieder in den Hintergrund. Gute Vorsätze zu mehr Klimabewusstsein und Entschleunigung haben, so scheint es, zumindest über den Sommer Pause.

Eine ÖAMTC-Umfrage von diesem Monat zeigt einen deutlichen Anstieg der Reiselust innerhalb der österreichischen Bevölkerung. 83 Prozent planen demnach einen Sommerurlaub, zwei Drittel der Befragten haben vor, gleich mehrmals zu verreisen. Nur ein Bruchteil gab an, das eigene Reiseverhalten im Vergleich zu vor der Pandemie verändern zu wollen und etwa verstärkt im Heimatland Urlaub zu machen. Der große Rest verübt also Rache.

Verschwenderisches Reisen

Das Online-Reisebüro Expedia hat dazu Online-Suchdaten gesammelt. Schon vergangenes Jahr wurde ein enormer Anstieg des durchschnittlichen Reise-Suchverkehrs verzeichnet. Viele der Reiselustigen sind demnach bereit, eine größere Summe an Geld für Urlaube in die Hand zu nehmen, als sie es pre-Covid getan hätten. Denn zwei Jahre des (mehr oder weniger großen) Verzichts führte bei einigen Menschen zu höheren Sparbeträgen. Auch in Österreich wurde in den vergangenen Jahren mehr gespart, wie aus einer Studie der Erste Bank und Sparkassen bereits vergangenes Jahr hervorging. 71 Prozent gaben damals an, aufgrund von Corona weniger Geld auszugeben. Etwas mehr als die Hälfte legte ihr Geld auf die Seite, um es später für etwas Bestimmtes ausgeben zu können - etwa ein Flugticket oder die Nächtigung im Lieblingshotel.

Hinzu kommt, dass einige Unternehmen seit Beginn der Pandemie ihre Richtlinien für Telearbeit und Home-Office angepasst haben. Wie gut das Heimarbeiten vor Arbeitnehmerinnen und -nehmern ankommt, konnten bereits mehrere Umfragen der letzten Jahre verdeutlichen. Ein Großteil würde auch nach Ende der Maßnahmen gerne weiterhin von zu Hause arbeiten können.

Dabei bedeutet Home-Office nicht automatisch, vom eigenen Wohnsitz aus zu arbeiten. Auch fern der eigenen Heimat im gebuchten Airbnb oder Hotelzimmer verrichten einige ihre Arbeit. Urlaubstage sind so nicht mehr zwingend notwendig, um eine Reise antreten zu können. So manches Reiseziel, etwa die karibischen Inseln, werben gar um Fernarbeiterinnen und -arbeiter oder auch „digitale Nomaden“. So soll der Tourismus zusätzlich angekurbelt werden. Denn nicht nur die Wanderlustigen selbst stehen längst wieder in den Startlöchern, auch jene Länder, die diese empfangen, sind bereit, die verlorene Zeit wieder gänzlich aufzuholen - und Rache zu verüben. 

(evdin)