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Unterwegs

Wird das Zugfahren Opfer seines Erfolgs?

Überfüllte Abteile und astronomische Preise vergällen einem das »terrane« Reisen.

Everything counts in large amounts: Diesen Refrain von Depeche Mode habe ich nicht erst seit dem traurigen und zu frühen Ableben des Keyboarders Andy Fletcher in den Ohren. Je größer, desto mehr: Das ist natürlich eine Tautologie, aber an ihr scheinen die Verkehrspolitiker und Eisenbahnbetreiber zu scheitern. Denn während wir alle aus eigenem ethischen Antrieb oder unter dem Eindruck der zusehenden Entmenschlichung des Flugreisens immer öfter auf den Zug umsteigen wollen, hält das Angebot mit dieser gestiegenen Nachfrage nicht mit. Es gibt zu wenige Zugverbindungen, und sie sind oft zu teuer.

Nun weiß ich schon, dass gestiegene Nachfrage ceteris paribus auch die Preise steigen lässt. Aber wollen wir nicht CO2 sparen und Bahn fahren? Angesichts der üppigen staatlichen Förderungen für die fast durchwegs staatlichen Bahnunternehmen drängt sich mir ohnehin der Verdacht auf, dass die marktwirtschaftlichen Gesetze hier nicht 1:1 befolgt werden.

Wieso also, zum Kuckuck, kostet uns eine Zugfahrt von Brüssel nach Avignon fast dreimal so viel, wie es der Flug täte? Und wieso gibt es die bis an die Penetranzgrenze bejubelten Nachtzüge von Brüssel nach Wien nur an zwei oder drei Wochentagen – zu frechen Preisen? Und nein: Die Sparvariante einer Nacht mit Wildfremden, die möglicherweise schnarchen oder müffeln, kommt für mich nicht infrage. Wenn sich hier nicht bald etwas ändert, wird das neuerdings mit dem Modewort „terran“ versehene Reisen auf der Schiene nur etwas für Liebhaber bleiben.

oliver.grimm@diepresse.com


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