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„Triangle of Sadness“ von Ruben Östlund.
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Filmfestival Cannes

Per Luxusyacht zur Goldenen Palme

Der Hauptpreis des Filmfestivals von Cannes ging heuer an „Triangle of Sadness", eine grelle Satire über die moderne Klassengesellschaft. Der schwedische Regisseur Ruben Östlund gewann schon 2017 an der Côte d'Azur. Vicky Krieps wurde für ihre Rolle in Marie Kreutzers Sisi-Film „Corsage" mit dem Darstellerpreis einer Nebenschiene bedacht.

Bereits zum zweiten Mal gellte am Samstagabend ein kollektiver Urschrei durch das Palais des Festivals in Cannes. Initiiert wurde er, wie schon 2017, von Ruben Östlund, der den Hauptpreis der Filmfestspiele erneut mit lautstark ausstrahlendem Enthusiasmus entgegennahm. Die Jury unter der Leitung des französischen Schauspielveteranen Vincent Lindon holte der 48-jährige Schwede gleich zu sich ins Rampenlicht, jedes Mitglied überschwänglich umarmend. Verständlich, wenn man bedenkt, dass Östlund nun (wie Michael Haneke) zur elitären Gruppe jener Filmemacher zählt, die den wichtigsten europäischen Filmpreis im Doppelpack zuhause haben.

Sein Siegerfilm „Triangle of Sadness” wirkt wie die konsequente Weiterentwicklung des Erfolgsrezepts von Östlunds erstem Palmengewinner, dem tragikomischen Kunstwelt-Rundumschlag „The Square”. Der Titel seines jüngsten Satire-Panoramas bezieht sich auf einen Spitznamen für die Sorgenfaltenzone auf der Stirn von Models. Zwei davon, gespielt von Harris Dickinson und Charlbi Dean, landen im Film auf einer von einer illustren Milliardärs-Menagerie bevölkerten Luxusyacht. Langsam schaukelt sich der im digitalen Hochglanz-Look und mit perfektem Gespür für komödiantisches Timing inszenierte Film von subtilen Seitenhieben gegen die Eitelkeiten der in der maritimen Edel-Blase versammelten Figuren zur kathartischen Groteske hoch. Ein Meeressturm sorgt in der Filmmitte für eine furiose Sequenz, in der das steril geschrubbte Schiff von nach außen drängenden Körpersäften seekranker Passagiere überschwemmt wird. Nebenher liefern sich Woody Harrelson als marxistischer Kapitän und der dänisch-kroatische Schauspieler Zlatko Burić als zynischer russischer Oligarch ein amüsantes Verbalduell. Dann verschlägt es die zweieinhalbstündige Ungleichheits-Parabel auf eine einsame Insel, wo Östlund seine Figuren dem Gesetz des Dschungels (und ihren privilegierten Allüren) überlässt, bis eine philippinische Putzkraft (Dolly de Leon) sich zur autoritären Matriarchin aufschwingt.