Für die entscheidende Prozessphase hat der TV-Wettermoderator, der wegen Vergewaltigung vor Gericht steht, den Hamburger Staranwalt Johann Schwenn engagiert.
Berlin/Mannheim/E.m. „Er braucht anscheinend nicht nur viele Frauen, sondern auch viele Verteidiger“, meldete der Fernsehsender N24 Dienstagfrüh süffisant: Der TV-Moderator Jörg Kachelmann (52), der in Mannheim wegen des Vorwurfs schwerer Vergewaltigung und Körperverletzung vor Gericht steht, hat – just vor Beginn der entscheidenden Verhandlungsphase – überraschend sein Verteidigungsteam gewechselt. So gab nicht nur Kachelmanns Hauptverteidiger Reinhard Birkenstock am Montag sein Mandat ab, sondern auch der zweite Karlsruher Wahlverteidiger Klaus Schroth.
Kachelmann habe ihn per E-Mail informiert, so Schroth. Er war es gewesen, der im Sommer erfolgreich Haftbeschwerde eingelegt hatte – Kachelmann war daraufhin aus der Untersuchungshaft entlassen worden. Ob der Verteidigerwechsel von Kachelmann ausging, ob persönliche oder prozessuale Gründe dahinterstecken, ist bisher nicht bekannt.
Jedenfalls hat der gebürtige Schweizer Kachelmann mitten im laufenden Verfahren den Hamburger Strafverteidiger Johann Schwenn beauftragt; als Pflichtverteidigerin ist weiterhin die Heidelberger Anwältin Andrea Combe tätig. Schwenn hat bereits zahlreiche Prominente vertreten und unter anderem im vergangenen September zwei wegen Vergewaltigung verurteilte Männer nach langjähriger Haft aus dem Gefängnis geholt. Kachelmann wird vorgeworfen, am 9.Februar seine langjährige Freundin nach einem Beziehungsstreit in ihrer Wohnung vergewaltigt zu haben. Wenn der Prozess heute, Mittwoch, fortgesetzt wird, sind Psychologen, Psychiater und Rechtsmediziner am Wort. Die Frage ist, wie glaubhaft die Klägerin ist und ob es Beweise für Kachelmanns Täterschaft gibt.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 01.12.2010)