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Bank

Addiko erfindet sich wieder neu

Vorstand Herbert Juranek rechnet noch heuer mit einer Entscheidung im slowenischen Schweizer-Franken-Prozess.

Wien. Das letzte Überbleibsel des Balkangeschäfts der Hypo Alpe Adria hat sich neue Ziele gesetzt. Denn das Finanzinstitut Addiko erfindet sich noch einmal neu. Erst 2016 erhielt es den Namen von einer kroatischen und Londoner Agentur – der schlechte Ruf der Hypo Alpe Adria sollte der Vergangenheit angehören. Der Balkan ist nach wie vor das Kerngebiet der Bank, in Österreich wird nur das Veranlagungsgeschäft geführt.

2019 brachte der Investor Advent die Bank erfolgreich an die Wiener Börse, lukrierte knapp 140 Mio. Euro und veräußerte die übrigen Anteile schrittweise – bis Mitte 2020 der gänzliche Ausstieg anstand. Im Mai 2021 kam dafür Herbert Juranek an Bord, der Rest des neuen Vorstandes folgte im abgelaufenen Jahr.

Das ehemalige Erste-Group-Vorstandsmitglied plante eigentlich, nicht mehr in das operative Geschäft einzusteigen. Das Team und die Aufgabe hätten ihn aber schlussendlich überzeugt. Juranek schätzt, dass Addiko keine Großbank ist und die Entscheidungen nicht politisch motiviert sind, sondern einer Strategie folgen. Die Strategie der Addiko Bank beruht vor allem auf unbesicherten Krediten für Klein- und Mittelunternehmen und Privatpersonen – Hypothekarkredite werden keine vergeben. Dadurch bleibt der Verwaltungsaufwand gering und laut Juranek werden die Kredite regelmäßiger in Anspruch genommen als nur ein- oder zweimal im Leben eines Kreditnehmers für eine Immobilie.

„Wir sind mehr Fintech als Bank“, erklärt Juranek, und er will „die führende Digitalbank in deren Region“ werden. Dafür habe man sich zuletzt mit einem Fintech zusammengeschlossen, mit diesem werden Finanzierungen digital abgewickelt. An der Filialstruktur soll das aber nichts ändern. In der Vergangenheit wurden zwar – wie in der ganzen Branche üblich – kleinere Filialen geschlossen, eine vollständige Aufgabe des Filialnetzwerks ist aber nicht das Ziel.

Mit dem ersten Quartal des laufenden Jahres zeigt man sich zufrieden, der Nettogewinn beträgt 6,5 Mio. Euro und steigerte sich damit um 30 Prozent gegenüber dem Vorjahresquartal.

Die Quote der ausgefallenen Kredite liegt mit 2,8 Prozent zwar über dem österreichischen Durchschnitt, Juranek rechnet aber trotz der hohen Inflation und der damit verbundenen steigenden Nachfrage nach Konsumkrediten nicht mit einem Anstieg der Ausfälle. Bislang war Addiko dafür bekannt, eine hohe Dividende auszuzahlen, die zuletzt ausbezahlte betrug 2,03 Euro. Für 2021 gab es aber keine, ein Gesetz in Slowenien und damit verbundene drohende Rückzahlungen ließen das Kreditinstitut zögern.

Slowenien und seine Gesetze

Das slowenische Parlament hatte im Februar dieses Jahres ein Gesetz beschlossen, das Kreditgeber zur rückwirkenden Einführung einer Wechselkursobergrenze von zehn Prozent für alle solchen Vereinbarungen für Schweizer-Franken-Kredite verpflichtet, die zwischen Juni 2004 und Ende 2010 abgeschlossen worden sind.

Die Addiko Bank hatte – im Zusammenschluss mit mehreren slowenischen Banken – dagegen Beschwerde beim Verfassungsgerichtshof eingereicht.

Für den schlimmsten Fall hatte die Bank damals mit Kosten von rund 100 Mio. Euro gerechnet. „Laut eigenen und internationalen Juristen wird noch im laufenden Jahr eine Abweisung der Klage erwartet“, erklärt Juranek. Die Anleger dürfen somit wieder auf Dividenden hoffen.


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