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Fahrbericht

Mercedes S580e: Der fliegende Teppich

Sechszylinder mit E-Hilfe: Der Mercedes S580e
Sechszylinder mit E-Hilfe: Der Mercedes S580e(c) Die Presse/Clemens Fabry (Clemens Fabry)
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Fahrbericht. Neben dem batteriebetriebenen EQS bietet Mercedes in der S-Klasse nun auch einen Teilzeitstromer an. Rein elektrisch geht es im Plug-in-Hybrid S580e fast hundert Kilometer weit.

Wien. Die Elektrifizierung bringt ja vieles durcheinander, auch die Modellbezeichnungen. Früher einmal stand die Zahl 500 im Namen eines Mercedes für den Einsatz eines Achtzylindermotors. Heute muss man sich auch bei einer Topnummerierung mit einem Sechszylinder begnügen.

Geht uns etwas ab? Nein, weil der S580 ein kleines e als Zusatz hat. Und das ergänzt den Reihensechszylinder mit einem Elektromotor und liefert unterm Strich sogar mehr Leistung als der S580 ohne e. Kombiniert bietet dieser Mercedes eine Systemleistung von 510 PS (375 kW), der Achtzylinder-580er hat 503 PS.

Aber wer würde die in einem Mercedes jemals alle abrufen? Wir haben das Gaspedal im S580e aus pflichtbewussten Testzwecken einmal eingeebnet, waren entsprechend beeindruckt und fuhren fortan brav und zurückhaltend. So wie fast alle Fahrer einer S-Klasse, die meistens einen Passagier im Fond transportieren.

(c) Die Presse/Clemens Fabry (Clemens Fabry)

Natürlich macht die Mercedes-S-Klasse den Fahrer sofort zu einem besseren Menschen. Die Kombination aus luxuriösem Ambiente und leisem Gleiten wirkt auf dem Weg der Osmose auf den Menschen – und alles ist gut, schön, entspannt. Wir haben vor allem in Wien für Irritationen gesorgt, weil wir anderen Verkehrsteilnehmern so großzügig die Vorfahrt überließen.

Beeindruckende E-Reichweite

Die Fortbewegung in einer S-Klasse ist ja kein schnödes Fahren, es ist ein Gleiten, das Nächste zur Reise auf einem fliegenden Teppich. Welche Unebenheiten und Holprigkeiten die Straße vor uns auch bot, das Auto federte sie weg – entweder mit der serienmäßigen Luftfederung Airmatic oder auf Wunsch mit dem Fahrwerk E-Active Body Control, das Feder- und Dämpferkräfte an jedem Rad individuell regelt und Wank-, Nick- und Hubbewegungen entgegenwirkt.

Weniger technisch ausgedrückt: Man kann als Passagier auf dem Rücksitz selbst auf ramponierten Wiener Stadtautobahnen eine randvolle Tasse Cappuccino trinken, ohne auf den Maßanzug zu patzen.

Die Türgriffe fahren nach dem Start ein
Die Türgriffe fahren nach dem Start ein(c) Die Presse/Clemens Fabry (Clemens Fabry)

Noch einmal zum Achtzylinder: Bei seinem Einsatz in der S-Klasse geht es ja, wenn überhaupt, nur zweitrangig um die Leistung, primär ist die exzellente Laufruhe des Ottomotors. Und die erreicht Mercedes nun im S580e mit dem Elektromotor mit 150 PS (110 kW) Leistung – und zwar für eine ordentlich lange Strecke. Der 28,6-kWh-Akku (brutto) lieferte genug Strom, um uns im Fahrtest fast hundert Kilometer weit rein elektrisch zu transportieren. Das ist ein beeindruckender Wert für ein Hybridmodell.

Dafür muss man aber ordentliche Abstriche bei der Kapazität des Kofferraums in Kauf nehmen, weil der Akku viel Platz beansprucht. Statt 535 Liter, wie im Mercedes S580 ohne e, haben im halbelektrischen S580 mit e nur 350 Liter Platz. Ob man die in der Praxis vermisst, ist fraglich. Mit einer S-Klasse wird man meist nur von Termin zu Termin chauffiert, eher selten fährt damit jemand mit der Familie nach Lignano auf Strandurlaub. Die wenigen, die sich eine S-Klasse als Privatauto halten, wählen meist einen Maybach – und unterliegen derzeit Sanktionen.

Was ist uns sonst noch aufgefallen? Die Hinterachslenkung beispielsweise, die mit zehn Grad mitlenkt. Der Wendekreis des 5,18 Meter langen Autos verringert sich damit ungefähr auf den eines Bobbycars. Hinten animiert ein automatischer Gurtbringer zum Anschnallen, die Kopfstützen fahren automatisch aus (das Auto erkennt, wenn ein Passagier in der zweiten Sitzreihe Platz genommen hat), das hintere Sonnenrollo im Panorama-Schiebedach lässt sich per Handbewegung steuern, und man kann sich nächtens stundenlang mit den verschiedenen Farben der Fondbeleuchtung spielen.

(c) Die Presse/Clemens Fabry (Clemens Fabry)

Nett auch die 3-D-Darstellung der Armaturen, wenn man in diesem Auto vorn links Platz nimmt. Das Navi sieht damit sehr plastisch aus. Und was die Bremsen betrifft – Hut ab vor den Ingenieuren, die eine Einstellung gefunden haben, die auch beim beherzten Tritt auf das Bremspedal ein abruptes Stehenbleiben, das die Passagiere durchrütteln würde, fast unmöglich macht, das Auto aber dennoch schnell zum Stillstand bringt.

NoVA-Vorteil einer A-Klasse

Kommen wir zum Verbrauch, der auch Chefs von Ökounternehmen ein Argument für diese S-Klasse als Dienstwagen liefert. Wir haben den Mercedes regelmäßig aufgeladen, auf den 464 gefahrenen Kilometern waren wir 346 Kilometer rein elektrisch unterwegs. Der Benzinverbrauch über die Gesamtstrecke lag bei 3,7 Litern auf 100 Kilometer, der Stromverbrauch bei 11,7 kWh/100 km.

Und das Beste für die Firmenbilanz kommt zum Schluss: Für den S580 ohne e bezahlt man ab 163.420 Euro, die Plug-in-Hybridversion S580e kostet dank des NoVA-Vorteils ab 135.142 Euro.

Man bekommt also für mehr Leistung ungefähr einen Mercedes der A-Klasse dazu geschenkt. So lang es sie noch gibt . . .


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