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Mein Freitag

Ich hab dir nie einen Rosengarten versprochen

REUTERS
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Wie man zur unbekannten Berühmtheit wird, aber gelbe Rosen möglichst meiden sollte.

Alle, die auch einmal zu den meistfotografierten Menschen gehören wollen, sollten dieser Tage in den Wiener Volksgarten gehen. Rund 3000 Rosensträucher stehen in voller Blüte, und ihre Pracht öffnet fast jedes Herz. Hier werden derzeit pro Stunde mehr Selfies gemacht, als es Rosensorten gibt. Schon bei einem kurzen Spaziergang wird man zur unbekannten Berühmten im Hintergrund.

Immer dasselbe Lied fällt einem hier ein, wenig originell „I Never Promised You a Rose Garden“, es ist verbunden mit diesem Ort und dem widerspenstigen Gedanken, dass es ja nicht gleich ein ganzer Garten sein müsse, ein Strauch würde schon reichen, aber bitte nicht einer von den gelben.

„Manche Rosen sind sich selbst zu schwer“, merkt die Freundin an, die Profis binden sie hoch, aber eigentlich ist es ein schönes Bild, diese totale Verausgabung mancher Zweige mit der Last ihrer Blüten, ein wenig wie hochschwangere Frauen, die ihre Schönheit nicht erkennen.

Wie Egon, der Wurm, versteckt man sich nun also in den Selfies der anderen, die aus Grieskirchen oder Nashville hierhergekommen sind, oder einfach nur aus dem Büro, um einmal tief durchzuatmen. Egon, der Regenwurm, der auch Fußball spielen kann, ist die wahre Attraktion der Bilderbücher von Richard Scarry. Er lugt stets klitzeklein im Hintergrund von irgendwo hervor und wurde so populär, dass ihm ein eigenes Buch gewidmet wurde. Im amerikanischen Original heißt Egon übrigens „Lowly Worm“, was ganz anders wirkt.

Davon kann auch die Türkei ein Lied singen, die künftig auf Englisch nicht mehr „Turkey“ heißen will. Die Oma würde sagen: „Man kann es sich nicht immer aussuchen.“ Nicht selten wird auch ein Name durch eine andere Aussprache mit ungewollter Bedeutung aufgeladen. Bei meinem Namen werden englischsprachige Interviewpartner manchmal unruhig, heißt doch „Libel“ üble Nachrede.


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