Dieser Browser wird nicht mehr unterstützt

Bitte wechseln Sie zu einem unterstützten Browser wie Chrome, Firefox, Safari oder Edge.

Deal

Borealis gibt Düngersparte ab

Die OMV-Tochter Borealis verkauft ihre Stickstoffsparte für 810 Mio. Euro an Ex-Premier Andrej Babiš.

Wien. Die OMV-Chemietochter Borealis hat einen neuen Käufer für ihre Düngemittelsparte gefunden, nachdem der bereits paktierte Deal mit dem russisch-schweizerischen Konzern Eurochem Anfang März von Borealis aufgekündigt wurde. Bemerkenswert ist: Der Agrofert-Konzern des tschechischen Milliardärs und Ex-Premiers Andrej Babiš will für das Stickstoffgeschäft von Borealis 810 Mio. Euro bezahlen – mit Eurochem war ein Kaufpreis von 455 Mio. Euro vereinbart gewesen.

Man habe von Agrofert ein verbindliches Angebot erhalten, teilte Borealis am Donnerstagabend mit. Der Vollzug werde für die zweite Hälfte des Jahres 2022 erwartet, hieß es seitens OMV und Borealis mit Verweis auf noch nötige Genehmigungen.

Der tschechische Agrofert-Konzern ist in einer Reihe von Branchen in Mitteleuropa tätig, darunter Chemie, Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion. Mit einem konsolidierten Umsatz von 7,5Mrd. Euro im Jahr 2021 umfasst der Konzern mehr als 200 Unternehmen und beschäftigt rund 31.000Mitarbeiter. Agrofert ist zudem einer der führenden europäischen Hersteller von Pflanzennährstoffen mit Produktionsstätten in Deutschland, Tschechien und der Slowakei. Borealis hatte den Verkauf ihrer Stickstoff- und Düngemittelsparte bereits bei der Bekanntgabe des Deals mit Eurochem damit begründet, dass man sich auf die Kernaktivitäten konzentrieren wolle: die Produktion innovativer und nachhaltiger Produkte in den Bereichen Polyolefine und Basischemikalien sowie auf die Kreislaufwirtschaft. Damals, Anfang Februar, ist das Geschäft mit 455 Mio. Euro bewertet worden – nun ist es den tschechischen Käufern 810 Mio. Euro wert.

Kritik an Verkauf „ohne Not“

Kritik kommt von Niederösterreichs ÖVP-Bauernbundobmann und Landeshauptfrau-Stellvertreter Stephan Pernkopf. „Alle reden von Versorgungssicherheit und dann verkauft ein teilstaatliches Unternehmen – ohne jedwede Not – die strategisch für die Eigenversorgung so wichtige Düngemittelsparte“, kritisierte Pernkopf am Freitag. Am Tag der OMV-Hauptversammlung appelliere man „an alle Verantwortungsträger im Vorstand, Aufsichtsrat und bei der Öbag, diesen fragwürdigen Verkaufsprozess zu überdenken“, so Pernkopf und Niederösterreichs Bauernbunddirektor Paul Nemecek. (APA)

("Die Presse", Print-Ausgabe, 04.06.2022)