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Analyse

Selenskij und seine Medienprofi-Truppe

Im April war der Kiewer Präsidentenpalast von Wolodymyr Selenskij sogar im Stiegenhaus noch voller Sandsäcke.
Im April war der Kiewer Präsidentenpalast von Wolodymyr Selenskij sogar im Stiegenhaus noch voller Sandsäcke.Evgeniy Maloletka/picturedesk
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Wie die Ukraine seit mehr als 100 Tagen dank Selenskijs Kommunikationstalent im Krieg für sich wirbt.

Warschau/Kiew. Die russische Invasion in die Ukraine von Ende Februar hat zwei große Überraschungen hervorgebracht: Erstens den erfolgreichen Widerstand der zunächst hoffnungslos unterlegen scheinenden ukrainischen Streitkräfte – und zweitens das Auftreten ihres Oberbefehlshabers, Wolodymyr Selenskij. Kurz vor dem russischen Angriff war der ukrainische Präsident just in der Mitte seiner Amtszeit auf ein Umfragetief von unter 30 Prozent abgesackt. Der Ex-Komiker schaffte es, teilweise monatelang keine Pressekonferenzen, geschweige denn Interviews zu geben, er igelte sich im Präsidentenpalast ein und schmiedete mit seinen Beratern, die wie er selbst oft aus dem Showbusiness stammen, wenig sinnvolle Polit-Allianzen.

So bekämpfte er etwa monatelang den Kiewer Bürgermeister Witali Klitschko, im Ausland vor dem Krieg bekannter als Selenskij selbst. Und er ließ auch die von ihm abhängige Staatsanwaltschaft einen Haftbefehl wegen angeblichen Hochverrats ausgerechnet gegen seinen als sehr patriotisch geltenden Vorgänger Petro Poroschenko (2014–19) anstrengen. Damit setzte sich Selenskij Anfang 2022 der massiven Kritik der USA und EU aus, während gleichzeitig bereits 190.000 russische Soldaten an der Grenze im Osten und Süden der Ukraine aufmarschiert waren.