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Stadtarchitektur

Flanieren in den Gängen von Paris

Archivbild von Paris.
Archivbild von Paris.APA/AFP/JOEL SAGET
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„Passagen sind Häuser oder Gänge, welche keine Außenseite haben – wie der Traum“ (Walter Benjamin). Von den einst über 70 Pariser Passagen blieben nur 21 – aber in diesen heute streng geschützten Baudenkmälern ist die Zeit stehen geblieben.

In den Fassaden der Boulevards öffnen sich für den Flaneur an manchen Stellen hohe Portale, dahinter in die Tiefe führende Durchhäuser. Oft sind diese Passagen aber verstaubte Märchenpaläste: Pfade in ein pittoreskes Paris, das noch nicht von Haussmanns Boulevards zerschnitten war. Es waren frühe Einkaufszentren im Napoleonischen Paris, entfernte Verwandte der orientalischen Basare, gebaut, um eine wohlhabende Kundschaft vor schlechtem Wetter zu schützen, ausgestattet mit allem Luxus und eleganter Dekoration im Stil des Empire.

Groß in Mode waren die neuen „Galeries“ zwischen 1800 und 1830; Nachzügler eröffneten noch um die Mitte des 19. Jahrhunderts, während die Transformation unter Napoleon III. und seinem Präfekten Haussmann sowie die neuen Kaufhäuser schon wieder den Niedergang und die Demolierung etlicher Passagen einläutete. Die letzten großen Neubauten wie Jouffroy oder Verdeau (1847) öffnen sich bereits zu den Grands Boulevards und lassen deren Pracht weit in die flankierenden Geschäfte, Restaurants und Ballsäle fließen. Beiläufig, wie durch eine Lücke in der Zeit, präsentieren hier auch heute noch Kunstgalerien, Buchhändler, Antiquitätenhändler ihre Schätze.

Die Bauweise ist dabei immer ähnlich: im Parterre beidseitig Geschäftslokale in regelmäßigem Raster, in die niederen Büroräume darüber führt eine enge Treppe. Als Verbindung der beiden Innenfassaden dann Steinbögen oder Quertrakte, jedenfalls aber das ikonische Symbol aller Passagen: das Glasdach – getragen von zierlichen Eisenkonstruktionen –, dessen matte Drahtglasscheiben die höheren Wohnetagen über den Geschäften nur erahnen lassen.