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Mein Samstag

Das Hohe Schmetterlingshaus

Von Krähen, die das Parlament angreifen. Und Insekten vor dem Untersuchungsausschuss.

Neulich berichteten Medien über eine skurrile Attacke auf das Parlament: Krähen in der Innenstadt schnappen sich offenbar mit Vorliebe Steine, um sie auf die Glaskuppel fallen zu lassen – auf die neue Glaskuppel im renovierten Gebäude, um genau zu sein. Es ist allerdings eher ein optisches Problem als eine Sicherheitsbedrohung, denn das Glas hält trotzdem. Man sieht ihm die Steinschläge nur an.

Ich kann an dieser Stelle leider keine so spektakulären Anekdoten erzählen, aber während meiner Stunden im parlamentarischen U-Ausschuss habe ich zuletzt einen ausgebüxten (nach meiner Einschätzung) Riesenschmetterling gesehen. Zwei Tage lang flatterte er rund um den Kobel im Ausweichquartier. Eine Gefahr war das nicht, auch für das Insekt nicht, wie man im Schmetterlingshaus nebenan versicherte – es sei gerade warm genug. Und gelüftet wird im U-Ausschuss ohnehin nur während der Pausen. Die Sitzungen dürfen nämlich von Außenstehenden weder gesehen noch gehört werden, selbst Medien müssen vor Ort sein.

Und auch sonst gelangen wenige Informationen nach außen: Leider wird über die kulinarischen Highlights im Parlament keine Statistik mehr geführt. Eine genaue Liste gab es noch für den Hypo-Untersuchungsausschuss: Nach 20 Sitzungen hatten alle Beteiligten 13.200 Mannertörtchenkekse und 1365 Stück Obst gegessen. Getrunken wurde auch: 1700 Kaffeekapseln und 134 Teesackerln verbrauchten die Anwesenden damals. Heute kann ich berichten, dass Unternehmer Jürgen Rauch am Donnerstag geladen werden sollte, es sich aus Zeitgründen aber nicht ausging. Dafür werden die Säfte des Unternehmens im U-Ausschuss angeboten. Wie viel davon bisher getrunken wurden, veröffentlichte man im Parlament (noch) nicht. Aber vielleicht war man ja auch noch mit den Krähen beschäftigt.

E-Mails an: iris.bonavida@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 04.06.2022)