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Ukrainische Drachentöter

Auf das British Empire und seine Macht als Fußball-Mutterland geht das Privileg zurück, dass alle vier Landesteile des Vereinigten Königreichs zu Turnieren antreten. Der Rest der Welt empfindet dies seit jeher als Ungerechtigkeit.

Just die Kicker der Ukraine zogen jetzt aus, die Schotten und Waliser das Fürchten zu lehren – und ihnen die Feiern zum Queen Jubilee zu vermasseln.

Eingehüllt in blau-gelbe Fahnen, aufgepumpt mit Nationalstolz und der Parole „Slawa Ukraijni“ haben sie in Glasgow Schottland bezwungen, beklatscht von den fairen Verlierern der „Tartan Army“. Der Überlebenskampf ihrer Landsleute beflügelt die ukrainischen Teamspieler. Vor und nach der Schlacht auf dem Rasen mögen sie Tränen um ihre Heimat vergießen. Doch ihren Sport begreifen sie als Krieg mit anderen Mitteln. Am Sonntagabend schicken sie sich an, gegen das Bollwerk der walisischen Drachen anzurennen und in der Arena von Cardiff als Drachentöter aufzutreten.

Sie zählen auf die Sympathie der freien Welt und jene Boris Johnsons, der ohnehin um die Abspaltung Schottlands, Wales' und Nordirlands bangt. Wenn der Freiheitskampf der Ukraine da nicht als Inspiration wirkt. Die englischen „Three Lions“ sind vor der WM in Katar gewarnt: Neben dem Iran und den USA könnten sie schon in der Vorrunde auf die blau-gelben Gladiatoren treffen.

Reaktionen an: thomas.vieregge@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 04.06.2022)

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