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Pizzicato

Türkiye, Avusturya, Kängurustan

Handout image shows turkeys inside a hatchery at the processing unit of a turkey plant in La Calera city
Die Türkei soll also nicht mehr wie ein Truthuhn heißen.REUTERS
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Aus einem unserer liebsten Nichtnachbarländer kamen wieder interessante News: Recep Tayyip Erdoğan, der superselbstbewusste Präsident, hat bei der UNO erwirkt, dass sein Land fortan nur noch Türkiye genannt wird.

Und zwar in allen Sprachen, weil's doch die Eigenbezeichnung ist. Fremdnamen wie Türkei, Turquía, Tyrkiet und Törökország sollen also verbannt werden. Türkiye drücke nämlich „Kultur, Zivilisation und Werte der Nation“ besser aus, hieß es, und hebe den „Markenwert“ des Landes. hü!

Hinter den Kulissen erfuhr man, dass die Sache stark im Gram darüber wurzelt, dass der englische Name Turkey auch Truthahn, Dodel, Versagen bezeichnen kann; „cold turkey“ kennt man aus dem Alki- und Drogenmilieu als kalten Entzug. Wieso auch andere Sprachen als Englisch sich deswegen umstellen sollen, bleibt indes rätselhaft, ebenso, wie damit Schriften wie Chinesisch und Russisch umgehen sollen. Englische Tastaturen haben übrigens auch kein ü.

Also wenn das Schule macht und auch andere Länder ihre Eigenbezeichnungen international durchsetzen wollen, wird das lustig. Dann heißt es halt etwa Suomi statt Finnland, Hellas statt Griechenland, Nihon statt Japan und la France statt Frankreich. Gut, kriegen wir hin. Schwieriger wird's etwa mit Misr (Ägypten), Magyarország (Ungarn), Druk Yul (Bhutan) und Hayastan (Armenien).   

Nun, wir könnten den Vorstoß aus Kleinasien aber auch nützen, um umgekehrt zu fordern, dass die statt „Avusturya“ endlich „Österreich“ sagen. Kann ja net so schwer sein, ist ne Frage von Respekt, oder? Man könnte „Österreich" überhaupt ebenfalls global durchsetzen, dann endet die läppische Verwechslung mit Kängurustan, als „Autrichien“ ist man in Frankreich nicht mehr der „andere Hund“, und dass die Finnen „Itävalta“ und Araber „Nemsa“ sagen, muss ja auch net sein. Allerdings: Wir halten das aus. (wg)

Reaktionen an: wolfgang.greber@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 07.06.2022)