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Volksoper

Tänzer in Anzügen – und im Aerobic-Style

Pure Ästhetik zur Musik von John Cage: Szene aus Merce Cunninghams „Duets“.
Pure Ästhetik zur Musik von John Cage: Szene aus Merce Cunninghams „Duets“.Volksoper
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„Kontrapunkte“ heißt der Ballettabend, bei dem das Staatsballett drei großartige Choreografien von Keersmaeker, Cunningham und van Manen präsentiert und so die Vielfalt des Tanzes zelebriert.

Sechs Glühlampen schweben langsam vom Schnürboden. Dann nehmen vier Streicher auf der Bühne Platz. Sie spielen Ludwig van Beethovens Große Fuge op. 133 – eine „Einladung zum Tanzen“, findet Anne Teresa De Keersmaeker, die 1992 dazu eine Choreografie geschaffen hat. Sieben Tänzer und eine Tänzerin in Businessanzügen übersetzen die Musik in Bewegung, springen und rollen über die Bühne, lassen die Arme weit von sich fliegen, laufen, fallen, springen auf. Laufen, fallen, springen auf. Immer wieder. Sie nützen den ganzen Raum, vertikal und horizontal, geben sich der Musik hin, als wären ihre Körper Instrumente in einem vielstimmigen Konzert, wobei man sich teilweise noch mehr Intensität, noch mehr Exaktheit wünschen würde – wie man sie von Keersmaeker selbst kennt, die mit dem ihr eigenen Ernst jede kleinste Geste mit Energie und Bedeutung auflädt. Wie eben auch den Moment, in dem die Tänzerin sacht mit der Hand über den Boden streicht. Es ist ein starkes Männerstück, in das sie sich wie selbstverständlich einfügt, gleichberechtigt.

Szenenwechsel an den Beginn der 1980er: In Merce Cunninghams „Duets“ tragen die sechs Paare, die alle barfuß tanzen, bunte Trikots im Aerobic-Style. Gezeigt werden Pas de deux, wobei jedes Paar einen ganz eigenen Charakter hat, den die Tänzerinnen und Tänzer richtiggehend verinnerlicht haben. Es ist pure Ästhetik, rhythmisch und schnörkellos wie die begleitende elektronische Percussionmusik von John Cage.