Nachhaltigkeit

Kunden geben Tempo vor

Es ist weniger der innere Wunsch der Unternehmen als das Drängen von außen, dass Unternehmen nachhaltiger werden wollen.

So viel scheint festzustehen: Nachhaltigkeit und Digitalisierung sind keine exklusiven Themen der Großkonzerne, sondern beschäftigen auch den Mittelstand intensiv. „Budgets werden aufgestockt, Nachhaltigkeit findet sich in Employer-Branding-Maßnahmen wieder und ist wesentlicher Bestandteil der Unternehmensstrategien“, sagt Michael Baumann, Managing Partner von H.I. Executive Consulting.

Warum Unternehmen das machen, beantworteten die Manager, die für den HIEC-Nachhaltigkeitskompass befragt wurden, so: In erster Linie, weil sie die Kundenattraktivität steigern und die Reputation erhöhen wollen. Ein weiteres Motiv für die Topführungskräfte ist, die Unternehmenskultur zu stärken, neue Mitarbeitende zu gewinnen bzw. die Mitarbeitenden zu binden. Und überhaupt besteht die Erwartung, die Geschäftsaktivität durch Nachhaltigkeitsmaßnahmen zu erhöhen.

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Das aber gilt nicht für alle Branchen im gleichen Maß: Besonders intensiv beschäftigen sich die Banken, Versicherungen und Finanzdienstleister, die Vorsorge- und die Konsumgüterindustrie mit dem Thema Nachhaltigkeit. Auf einer zehnteiligen Skala stufen sich diese Branchen bei neun ein. Am unteren Ende der Skala finden sich Digitalunternehmen und Medien (4,5), dazwischen das Baugewerbe und die Immobilienbranche (5), das Gesundheitswesen, Life Sciences, Bildung und Forschung sowie die Öl- und Gasindustrie (6), IT und Telekommunikation (6,5), der öffentliche Sektor (7), der Einzelhandel (7), Logistik und Agrarindustrie (8) und der Einzelhandel (8,5).

Das Thema Nachhaltigkeit zu etablieren, bedeutet für viele Unternehmen einen gravierenden Veränderungsprozess. Als größte Hürden stellen gleich 70 Prozent der Führungskräfte fest, dass sie dafür rigide Unternehmens- oder Prozessstrukturen aufbrechen müssen. Fast die Hälfte (48 Prozent) kämpft mit den dadurch anfallenden Kosten, 43 Prozent mit mangelndem Fachwissen.

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Etwas überraschend ist, dass 40 Prozent sagen: Es fehlt an Bereitschaft oder Identifikation mit dem Thema. Knapp ein Drittel der Befragten gibt an, dass Nachhaltigkeit kein Teil der Unternehmensstrategie sei. Untersucht wurde auch, auf welcher Hierarchieebene Nachhaltigkeitsrollen positioniert werden sollen. In Unternehmen, in denen es keine definierten Rollen gibt, sehen gut 27 Prozent die Aufgabe auf Höhe des Vorstands, gut 30 Prozent auf Höhe der zweiten Ebene und gut 42 Prozent bei Experten oder Stabstellen.

Etwas anders ist das Bild bei den Unternehmen, die konkrete Positionen eingerichtet haben: Zwei Drittel haben Nachhaltigkeit zu einem Vorstandsthema der C-Level-Manager gemacht, bei gut einem Fünftel sind Manager der zweiten Ebene verantwortlich und gut zehn Prozent Experten und Stabstellen.

Die Autoren erklären diese Abweichung damit, dass die Positionen aktuell nicht senior genug besetzt sind bzw. auf einem senioren Level mit einer entsprechenden Verantwortung gehalten werden müssen.

Klimathemen bestimmend

Aus den Umfrageergebnissen geht auch hervor, dass Nachhaltigkeit vorwiegend mit klassischen und offensichtlichen Themen wie Klima- und Umweltschutz sowie Energie verbunden werden.

„Sie stellen den größten Hebel in Bezug auf Treibhausgas- sowie Energieeinsparungen dar“, sagt Baumann. Doch Themen wie Mitarbeiterzufriedenheit im Kontext der sozialen Nachhaltigkeit würden laufend mehr Aufmerksamkeit bekommen. (mhk)

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