Auch die sicheren heimischen Staatsanleihen sind von der Irland-Krise mitbetroffen - da hilft es nicht, dass das Land als besonders sicher gilt. Die Investoren trauen Österreich deutlich weniger als früher.
Wien. Auch österreichische Staatsanleihen werden in den Sog der Eurokrise gezogen – da hilft es nicht, dass das Land als besonders sicher gilt. Die Anleger verkauften zuletzt zahlreiche heimische Anleihen, der Kurs für zehnjährige Papiere sank seit August um knapp sechs Prozent.
Die Investoren trauen Österreich deutlich weniger als früher. Das verdeutlichen die Preise für Ausfallversicherungen von heimischen Staatsanleihen. Die schnellten in den vergangenen Tagen um 25Prozent in die Höhe (siehe Grafik nebenan). Das heißt, die Anleger müssen deutlich mehr bezahlen, um sich gegen einen Ausfall österreichischer Papiere zu versichern.
Im Vergleich zu anderen Staaten halte sich Österreich aber noch gut, sagt Valentin Hofstätter, Volkswirt der Raiffeisenbank International. „Das Land wird vom Markt derzeit zu den Kernländern der Eurozone gezählt. Das war nach der Insolvenz von Lehman Brothers etwa nicht der Fall.“ Der Krise könne sich aber auch Österreich nicht ganz entziehen. Die heimischen Staatsanleihen sind von der Eurokrise laut Hofstätter über zwei Kanäle betroffen:
•„Alle Euro-Staatsanleihen, die nicht als 100-prozentig sicher gelten, sind unter Druck. Als wirklich sicher werden auf dem Markt eben nur deutsche Bundesanleihen gesehen und nicht österreichische Papiere, die illiquider sind.“
•Als Kernland übernimmt Österreich Haftungen – wie es etwa für das hoch verschuldete Griechenland der Fall ist. Sollten die Haftungen ausfallen, müsste auch Österreich zahlen, daher verschlechterte sich zuletzt auch die Risikoeinschätzung für Österreich. „Sollte Italien auch noch ins Wanken kommen, wird es ernst – dann werden die Risikoaufschläge für Staatsanleihen noch deutlicher ansteigen“, so Hofstätter.
Die Diskussion über eine mögliche Transformation von einer europäischen Währungsunion zu einer Transferunion – also so wie es in den USA oder zwischen West- und Ostdeutschland der Fall ist – ist für Österreich auch nicht vorteilhaft.
Eine solche Transferunion würde bedeuten, dass die stabilen Länder die Schuldenstaaten systematisch stützen. Österreich als sicherer Staat wäre ein Zahlungsland. Hofstätter: „Eine europäische Transferunion wäre schon ein Extremfall und würde die Kreditwürdigkeit der stabilen Länder nach unten drücken. Selbstverständlich würde sich auch die Risikoeinschätzung für Österreich verschlechtern.“ Zwar wehren sich die Zahlungsländer gegen eine solche Konstruktion, weil sie ihre Steuerzahler nicht zusätzlich belasten wollen. Fakt ist aber: „Unter Investoren wird diese Thematik derzeit sehr wohl diskutiert“, sagt Hofstätter.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 02.12.2010)