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Ausstellung

Brasilien, zu schön zum Zerstören

Noch heil: Brasilien, wie es der Wiener Landschaftsmaler Joseph Selleny um 1860 sah (ein Ausschnitt).NHM/Alice Schumacher
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Das Naturhistorische Museum entführt zum 200-Jahr-Jubiläum der Unabhängigkeit des Landes in das ausgebeutete Paradies österreichischer Naturforscher.

Es hebt als wunderhübsche Geschichte an, zu der heimische Monarchisten nostalgisch seufzen mögen: ein Sommerfest im Augarten anno 1817, für das ein Hofkapellmeister brasilianische Tänze komponiert und ein Hofarchitekt exotische Kulissen zaubert. Zu Ehren der Vermählung der wissenschaftlich interessierten Erzherzogin Maria Leopoldine, die sich danach nach Rio einschifft, zu dem ihr unbekannten Don Pedro und den Naturwundern des artenreichsten Landes der Welt. 1822, vor 200 Jahren, mischte sie mit, als sich ihre neue Heimat von der Kolonialherrschaft Portugals befreite – wofür die Brasilianer ihre erste Kaiserin bis heute mögen. Auch wenn sie bald als Folge der Demütigungen und Misshandlungen durch ihren Gatten starb: Ihre Verheiratung war ein seltener Erfolg neben den vielen missglückten Versuchen der österreichischen Habsburger, Einfluss außerhalb Europas gewinnen. Aber so wäre das natürlich verdammt eurozentrisch gedacht.

Was das Naturhistorische Museum vermeiden will bei seiner großen Brasilien-Ausstellung, die am Mittwoch ihre Pforten öffnet. Auch uns Besucher wappnet das Kuratorenteam gegen patriotische Anwandlungen angesichts der Heldentaten der Forscher, die auf zwei Fregatten der königlichen folgten. Von dieser Expedition sandte Johann Natterer Zehntausende ausgestopfte Vögel und aufgespießte Insekten nach Wien, Johann Pohl nicht weniger botanische Belege. Das Museum Brasilianum zählte bald zu den Hauptattraktionen der Stadt, später gingen seine Schätze im Naturhistorischen auf. Im Augarten baute man ein Ananashaus, in Schönbrunn zwei neue Glashäuser – für die lebend importieren Pflanzen. Unter der Ägide des Hofgärtners Schott, dem unsere Wohnzimmer den Philodendron und die Dieffenbachien verdanken. Auf einmal konnte Wien in Sachen musealer Naturkunde mit Paris und London mithalten. Du, glückliches Österreich, heirate und sammle!