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Nun gipfeln sie wieder: Es geht schlicht um die Rettung der Welt

Mit der Inbrunst des „Alles oder nichts“ schaden verblendete Vertreter des Umweltschutzes ihrer Sache mehr, als sie erreichen zu können vermeinen. Dem Klima nützt die Klimahysterie jedenfalls nicht.

Als „Klimaleugner“ werden Skeptiker denunziert. Von den lautstarken Warnern vor der Klimakatastrophe, die alle Medien um sich zu versammeln und für ihr Anliegen zu gewinnen suchen. „Klimaleugner“ ist natürlich ein sinnloses Wort, denn wer wollte das Klima leugnen. „Klimawandelleugner“ steht ihm an Sinnlosigkeit nicht nach, denn niemand bestreitet, dass es Klimawandel immer schon gegeben hat und auch in Zukunft immer wieder geben wird. Dies liegt im Wesen des Begriffs.

„Leugner des menschenverursachten Klimawandels“ kommt schon eher an die Wahrheit heran. Doch was die Skeptiker in den Augen der Klimawandel-Missionare so verdammenswert macht, ist die Tatsache, dass diese Ungläubigen dem Pathos gegenüber Widerwillen bekunden, mit dem die umtriebigen Aktivisten auftreten. Und dabei vollmundig meinen, man könnte mit gezielten Aktionen – natürlich jenen, die sie konzipieren und teuer verkaufen – die Welt retten. Denn um nichts weniger geht es.

Sogar in der ehrwürdigen Royal Society hört man skeptische Stimmen: „Der Klimawandel ist eine äußerst wichtige Angelegenheit. Doch die öffentliche Debatte darüber wurde zu oft vernebelt durch Übertreibungen und Fehlinformationen“, schreibt Lord Martin Rees.

Er nimmt damit indirekt auf den vor einem Jahr an die Öffentlichkeit gelangten E-Mail-Verkehr maßgeblicher Klimaforscher Bezug, der Übertreibungen und Tricksereien in der Klimastatistik belegt, sowie auch auf die Enthüllung einer ganzen Reihe von falschen Alarmmeldungen seitens des Weltklimarates im Frühjahr. 43 Fellows der Society haben durch eine Petition ihre Zweifel am Vorgehen der selbst ernannten „Klimaretter“ bekundet. Nicht alle dieser Fellows sind namentlich bekannt.

Öffentlich in Erscheinung treten vor allem ältere Mitglieder wie zum Beispiel Sir Alan Cottrell, der, wie er sagt, deshalb kein Problem damit habe, weil „unsere Karrieren nicht mehr gefährdet sind, wenn wir als Skeptiker bezeichnet werden oder man uns unterstellt, wir würden behaupten, die Erde sei eine Scheibe.“

Mit der Inbrunst des „Alles oder nichts“ schaden verblendete Vertreter des Umweltschutzes mehr, als sie erreichen zu können vermeinen. Denn die anhaltenden Unkenrufe über einen Weltuntergang ermüden die Menschen zusehends.

Der Klimawandel ist ein schlechtes Thema für Kassandra: Sollte die Katastrophe tatsächlich eintreten – und niemand auf der Welt kann dafür sichere Prognosen erstellen –, dann nur so schleichend langsam, dass Kassandras Rufe inzwischen längst im weißen Rauschen der Beliebigkeit untergegangen sind. Jüngste Umfragen ergaben, dass seit einem knappen Jahr die Angst vor der Klimakatastrophe dramatisch schwindet, sie sich in Großbritannien, einem ihrer hauptsächlichen Ursprungsländer, fast halbiert hat. In anderen Ländern wie etwa den USA und Deutschland ist die Tendenz ähnlich, wenn auch etwas weniger ausgeprägt.

Mit Achselzucken erwarten wir das „Scheitern“ des Gipfels in Cancún. Was bedeutet schon „scheitern“? Doch nur, dass man sich noch einmal, in noch größerer Zahl, mit noch größerem Aufwand, zum Zwecke des Produzierens von noch mehr heißer Luft treffen will – zum Wohle des globalen Tourismus, des eigenen guten Geschäfts. Nicht zu dem des Klimas.


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Zu
m Autor:

Rudolf Taschner ist Mathematiker und Betreiber des mathspace im quartier21, Museumsquartier Wien.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 02.12.2010)