Porsche-VW: Eine schwere Geburt

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Die Porsche-Aktionäre stimmen einer Kapitalerhöhung zu. Mancher Aktionär ließ seiner Wut freien Lauf. Von „Abzocke“ war da die Rede. In Stein gemeißelt ist die Fusion mit Volkswagen damit allerdings noch nicht.

Wien. Am Ende wusste Hans-Dieter Pötsch nicht so recht, wie ihm zumute sein sollte. Zwar entsprach die Hauptversammlung des Autobauers Porsche dem Wunsch des Finanzchefs nach einer Kapitalerhöhung. Doch ein reiner Grund zur Freude war das Ereignis für den Manager keineswegs. So manche Aktionäre ließen ihrer Wut freien Lauf. Von einer „Abzocke“ war da die Rede, von einem abgekarteten Spiel. Also verließ Pötsch die Bühne seines Erfolges nicht wie ein Sieger, sondern ziemlich emotionslos.

Für den deutschen Sportwagenhersteller stand viel auf dem Spiel. Seitdem die Übernahme von Volkswagen im Vorjahr gescheitert ist, trägt Porsche eine Schuldenlast von mehr als sechs Milliarden Euro mit sich herum. Ohne die nun abgesegnete Kapitalerhöhung in Höhe von fünf Milliarden Euro wäre auch der Plan B, eine Fusion mit VW, zum Scheitern verurteilt gewesen. VW hätte der Verschmelzung wegen der hohen Schulden rechtlich nicht zustimmen dürfen.

Familienimperium gibt keine Macht ab

Deshalb schmiedeten die Familien Porsche und Piëch den Plan der Kapitalerhöhung. Mit den fünf Mrd. Euro soll unter anderem ein im Juni des kommenden Jahres fälliger Kredit beglichen werden. Die Familienimperien halten zusammen 90 Prozent der Stammaktien. Eine Zustimmung der Kleinaktionäre – die allesamt Vorzugsaktien halten – wäre deshalb theoretisch gar nicht nötig gewesen. Doch fürchteten die Familien und Firmenchef Martin Winterkorn eine Klagenflut bei einer Entscheidung über die Köpfe der Kleinaktionäre hinweg.

Schließlich stimmten 88 Prozent der Vorzugsaktionäre für die Kapitalerhöhung. Bereits während der Hauptversammlung zeichnete sich das Ergebnis ab. Mehrere größere Fonds deuteten ihre Zustimmung an. Obwohl zahlenmäßig überlegen, fehlte den Kleinaktionären das Stimmgewicht, um die Kapitalerhöhung zu stoppen. „Die Vorzugsaktionäre sind die größten Verlierer dieses Deals“, sagte Christian Strenger von der Fondsgesellschaft DWS.

Tatsächlich wird das Imperium rund um Ferdinand Piëch trotz der größeren Gesamtzahl an Aktien keinerlei Macht abgeben. Vorzugsaktionäre können ausschließlich weitere Vorzugsaktien zeichnen. Doch nur Stammaktien garantieren ein Stimmrecht. Trotzdem hofft Finanzchef Pötsch, möglichst viele Aktionäre mit an Bord zu holen: „Eine entschuldete Gesellschaft ist gewiss ein interessantes Investment.“

Mit der Kapitalerhöhung räumte der Autokonzern mit Sitz in Stuttgart nur eines von mehreren Problemen aus dem Raum. Firmenchef Winterkorn – er führt Porsche und Volkswagen in Personalunion – erwartet einen Abschluss der Geldbeschaffungsaktion bis Mai nächsten Jahres. In diesem Fall könnte der 2,5 Milliarden schwere Kredit im Juni rechtzeitig bedient werden.

Im Visier der amerikanischen Justiz

Doch haben bereits 46 US-Fondsgesellschaften Klage gegen Porsche eingebracht. Lassen die Gerichte einen Prozess zu, könnte sich die Kapitalerhöhung um Monate verzögern. Nicht zuletzt deshalb hat Winterkorn angedeutet, die Banken vielleicht um einen Aufschub des Kredites zu bitten.

Konkret werfen die US-Anleger dem Autobauer vor, seinen Plan, eine Mehrheit an VW erwerben zu wollen, zu lange verschwiegen zu haben. Porsche erhöhte seinen Anteil am Wolfsburger Konzern von 2005 bis 2008 schrittweise von fünf auf 50 Prozent. Man bestritt aber stets, mehr als 75 Prozent kaufen zu wollen. Mehrere Anleger spekulierten deshalb auf einen Kursverlust des VW-Papiers. Als Porsche schließlich bekannt gab, drei Viertel an VW erwerben zu wollen, legte die Aktie zu. Die Fonds verloren 2,5 Mrd. Dollar.

Peter Maser von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz befürchtet deshalb, dass das frische Kapital in die USA abfließen könnten, wenn sich die Fonds mit ihrer Klage durchsetzen. In diesem – unwahrscheinlichen – Fall stünden die Fusionspläne von Porsche und VW erneut vor einem „fundamentalen Problem“.

Auf einen Blick

Der Autobauer Porsche beschloss eine Kapitalerhöhung in Höhe von fünf Mrd. Euro. Damit wurde ein entscheidendes Hindernis für die geplante Fusion mit Volkswagen aus dem Weg geräumt. Allerdings droht noch Ungemach aus den Vereinigten Staaten: Mehrere Fonds haben Klage eingebracht.

Von 2005 bis 2008 erhöhte Porsche seinen Anteil an VW schrittweise von fünf auf knapp 50 Prozent. Schließlich gab der Stuttgarter Autobauer bekannt, VW ganz übernehmen zu wollen – und scheiterte damit im Vorjahr.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 02.12.2010)

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