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Fachkräftemangel

Mehr Arbeit gegen Mangel an Arbeitskräften?

Stefan Pierer, Unternehmer und Chef der Pierer Industrie: "Das Pensionsantrittsalter ist in Österreich im europäischen Vergleich niedrig, die steuerliche Belastung des Faktros Arbeit besonders hoch."(c) Günther Peroutka
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KTM-Chef Stefan Pierer sieht in der hohen Abgabenlast auf Arbeit und dem frühen Pensionsantrittsalter in Österreich Verstärker des Fachkräftemangels – und schlägt Lösungen vor.

Man habe es ja kommen sehen, aber man sei sehenden Auges in die demografische Betonmauer gerannt, sagte Stefan Pierer, Chef der Pierer Industrie AG, am Dienstag in seiner Keynote beim ALC-Forum und bezog sich dabei auf den Fachkräftemangel. Auf 100 Babyboomer, die in den kommenden Jahren in Pension gehen, kommen 54 junge Menschen im Arbeitsmarkt nach. Natürlich entstehe da ein Ungleichgewicht zwischen der Nachfrage nach Arbeit und deren Angebot, sagte der Industrielle und beklagte, dass man in Österreich das Problem strukturell über Jahre nicht angegangen sei. Man habe stark vom Zuzug aus Osteuropa profitiert, aber diese Arbeitskräfte seien seit Corona wieder zu Hause und würden zu weiten Teilen nicht wiederkommen.

Seinem Unternehmen, das vor allem als Hersteller der KTM-Motorräder bekannt ist, sei es dennoch gelungen, zuletzt 1200 Mitarbeiter aufzubauen, der Großteil davon in Österreich. Der Schlüssel zum Mitarbeiterwachstum sei die Lehre. „Ohne duale Ausbildung hätten wir nicht so wachsen können.“ Aber es brauche auch vonseiten der Politik Maßnahmen, um dem Fachkräftemangel beizukommen.

Unrühmlicher Spitzenplatz

Österreich verzeichne mehrere unrühmliche Spitzenplätze mit Blick auf Arbeit. Das Pensionsantrittsalter ist im europäischen Vergleich niedrig, die steuerliche Belastung des Faktors Arbeit besonders hoch. Nur Belgien und Deutschland liegen bei Letzterer vor Österreich. Kurzum: Menschen arbeiten nicht lang genug in Österreich, und sie sind für Unternehmen teuer. Das Bildungsbudget sei zudem groß, aber es werde nicht zielgerichtet eingesetzt, das Ausbildungsprofil der Jugendlichen passe nicht zu den Anforderungen auf dem Arbeitsmarkt.

Duale Ausbildung als Asset

Dabei sei gerade die duale Ausbildung der Grund dafür, dass Österreich und der restliche deutschsprachige Raum eine so hohe Industriequote haben. Sie sei ein Erfolgsmodell und müsse stärker gefördert und wieder in ein besseres Licht gerückt werden. Jedenfalls seien längeres Arbeiten, Digitalisierung und Bildung in der nahen Zukunft die großen Themen auf dem Arbeitsmarkt. Industrie und Arbeitnehmer sollten Klassenkämpfe beilegen, man sitze im gleichen Boot, sagte Pierer. Es gehe darum, Jugendliche gezielt für die Anforderungen des Arbeitsmarkts auszubilden. Eine Bildungsprämie für Unternehmen wäre sinnvoll, sagte Pierer, denn schließlich blieben nicht alle ausgebildeten Lehrlinge im Unternehmen.

Plädoyer für längere Arbeit

Und es gehe auch darum, die Menschen davon zu überzeugen, mehr zu arbeiten. Zum einen, indem das Pensionsalter angehoben wird, und das besonders bei Frauen. Zum anderen sollte Menschen, die das Pensionsalter bereits erreicht haben, die Möglichkeit gegeben werden, steuerlich begünstigt weiterzuarbeiten, so der Unternehmer. Viele würden diese Möglichkeit wahrnehmen, wenn die finanziellen Anreize stimmen, gab sich Pierer überzeugt.

Ein weiterer möglicher Arbeitsanreiz wäre, Überstunden steuerlich zu begünstigen. Viele Menschen, die in der Industrie arbeiten, so Pierer, würden nach Feierabend „pfuschen“, um das eigene Nettogehalt etwas aufzubessern. Es wäre doch wünschenswert, wenn diese Mitarbeiter freiwillig länger im Betrieb arbeiten und auf diese Überstunden keine Steuern zahlen, schlug der Industrielle vor. Dann hätten sie deutlich mehr netto vom brutto – und das Unternehmen hätte zugleich auch etwas davon.