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Russland

Wie Putin die russische Jugend indoktriniert

Nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion führten Pionierorganisationen ein belächeltes Nischendasein. Nun will der Kreml sie wiederbeleben – im „richtigen patriotischen Geist“.

Eine Geschichte, die viele russische Eltern auch heute noch ihren Kindern erzählen dürften, geht so: Es gibt da ein Land, das schön ist und bunt, mit fröhlichen Mädchen und Buben. Sie sind hilfsbereit und gut in der Schule, sie essen mit den Alten und spielen mit den Kleinen, sie sammeln Müll im Wald und singen Lieder am Lagerfeuer. Es ist ein Land voller Legenden über Stürme und Feuer und Kämpfe. Es nennt sich „Pionierien“, das Land der Pioniere.

Es ist eine Geschichte voller Mythen und Nostalgie. Sie erinnert die Erzähler an die eigene Zeit bei den Pionieren, als sie, meist mit zehn, den Eid auf Wladimir Iljitsch Lenin, den großen sowjetischen Revolutionär, schworen, sich voller Stolz ein rotes seidenes Tuch um den Hals binden durften und dazugehörten – auf dem vorgezeichneten Weg im Dienste der kommunistischen Heimat. Als die Sowjetunion zerbrach, zerbrachen auch ihre Jugendorganisationen. Die Pioniere waren zwar geblieben, führten all die Jahre aber ein Nischendasein. Sie waren eine Organisation unter vielen. Vorgestrig, getränkt mit viel Sehnsucht der Erwachsenen nach klaren Vorgaben. Viele in Russland haben sie in den vergangenen Jahren belächelt oder ganz vergessen.