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Mein Freitag

Warum haben Erdbeeren besser geschmeckt, als wir Kinder waren?

Die Presse/Clemens Fabry
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Von Erdbeeren, die Ananas heißen.

Wollt ihr Ananas?“, hat meine Mutter gefragt, ja, natürlich, wer sagt da schon nein, dann brachte sie eine große Schüssel mit geschnittenen Erdbeeren, wahlweise mit Zucker, Zitrone, Rahm oder Schlagobers zu essen. Aus war die kurze Fantasie von picksüßen, sattgelben Ananasringen aus der Dose, die einzige Form, in der die tropische Frucht immer verfügbar war, aber dafür hatten wir eben Ananas in Hülle und Fülle, die Erdbeeren waren.
Alle Gartenerdbeeren hießen Ananas, aber das ging nicht auf eine bestimmte Sorte zurück, sondern auf die Ende des 19. Jahrhunderts entstandene Kreuzung „fragaria ananassa“ aus der dann etliche neue Sorten entstanden. Warum haben Erdbeeren besser geschmeckt, als wir Kinder waren? Ist es dasselbe Phänomen wie die Erinnerung, dass die Winter immer weiß waren und die Sommer immer heiß?

Ist es nicht, sagt Wissenschaftler Detlef Ulrich vom Bundesforschungsinstitut für Kulturpflanzen in Quedlinburg, der sich seit Jahren der schwierigen Frage widmet, wie die Balance zwischen Geschmack und den Anforderungen des Lebensmittelhandels zu schaffen wäre. Und der Aufklärung, worauf wir verzichten, wenn uns Aussehen, Lagerfähigkeit, Ernteertrag wichtig sind.

Fast unangenehm süß

Beliebte Sorten von früher, etwa die „Mieze Schindler“, sind demnach nur zum Sofortverzehr geeignet, sie sind zu weich, reisen nicht gern. Auch ihr dunkles Rot kommt mittlerweile nicht mehr gut an: Der Konsument empfindet die Farbe und den intensiven Geschmack als überreif, also dem Verderben nahe. Lange Jahre des Konsums halbreifer Früchte haben geprägt: Das betrifft auch Bananen oder Zuckermelonen, die richtig reif fast als unangenehm süß empfunden werden (und einen ordentlichen Histamin-Schub geben können).

Weiches, vollreifes Obst passt nicht in unsere straffe Gegenwart. Denn der Verzehr wurde von den Früchten bestimmt: So gab es wochenlang Erdbeeren, danach war Schluss, aber dann kamen schon die Marillen.

E-Mails an: friederike.leibl-buerger@diepresse.com