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Nick (Kit Connor) und Charlie (Joe Locke), zwei Verliebte in „Heartstopper“.
Streamingtipps

Die schönsten queeren Liebesgeschichten auf Netflix, Amazon und Co.

Längst passé ist das Klischee, dass queere Liebesgeschichten tragisch enden müssen. Anlässlich der Regenbogenparade empfehlen wir Filme und Serien, die LGBT-Lovestorys jeder Couleur abbilden: Von lieb bis verträumt bis brutal.

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Heartstopper

Liebliche Bubenromanze, 2022
Zu sehen auf Netflix

Die Zeiten des Mobbings sind weitgehend vorbei für den 15-jährigen Charlie: Im vorigen Schuljahr wurde dem offen schwulen Jugendlichen von einigen Kommilitonen seiner reinen Bubenschule noch das Leben schwer gemacht, jetzt stürzt er sich mit (wenn auch noch fragilem) Selbstvertrauen in seine erste große Liebe. Die gilt dem etwas älteren Rugby-Spieler Nick, den die meisten seiner Freunde für so heterosexuell halten, wie man nur sein kann. Aber was wissen die schon? Es ist keine Welt ohne Homophobie und Coming-out-Druck, in dem diese warmherzige neue britische Jugendromanze spielt. Aber sie wirft einen überaus hoffnungsfrohen, verständnisvollen und authentischen Blick auf die jugendlichen Gefühlswirren zweier Burschen, die außerhalb der ihnen vorgelebten Rollenklischees ihren Platz suchen.

Das ist mitunter fühlbar schwierig – wird hier aber in derart wohlige Watte gepackt, dass am Ende doch wieder alles recht lieblich wirkt. Wenn Nick und Charlie sich angrinsen, fliegt gezeichnetes Laub um sie herum. Die Teenies hier sind höflich, trinken Milchshakes, gehen früh (und allein) schlafen: Das freut auch die Erwachsenen – etwa Olivia Colman als verständnisvolle Mutter. (kanu)

The Half of It

Lesbischer Cyrano, 2020
Zu sehen auf Netflix

Die Schönheitskönigin und der begabte Footballer als Traumpaar der High School: Dieses Klischee wird in Coming-of-Age-Filmen zuletzt gern aufgebrochen, so auch hier. Denn Paul Munsky (Daniel Diemer) kann sich schlecht ausdrücken und braucht Unterstützung, um mit der beliebten Aster Flores (Alexxis Lemire) überhaupt ein Date zu bekommen. Hilfe findet er ausgerechnet bei der hochintelligenten, chinesischstämmigen Ellie Chu (Leah Lewis), die für ihn – gegen Bezahlung – Liebesbriefe schreibt. Ein lesbischer Cyrano, denn auch Ellie verliebt sich in Aster. Die aufkeimende Romanze ist „Nur die halbe Geschichte“ – so der deutsche Titel. Die andere Hälfte ist eine feinfühlige platonische Liebesgeschichte zwischen zwei einsamen Menschen. (her)

Please Like Me

Australische Tragikomödie, ab 2014
Zu sehen auf Netflix, 4 Staffeln

Der australische Komiker Josh Thomas hat keine Scheu, das komödiantische Potenzial in schwierigen Themen zu finden – und das auf stets sanfte, fast heilsame Weise. Psychische Erkrankungen und Suizid ziehen sich durch die vier Staffeln der Tragikomödie „Please like me“, mit der er international bekannt wurde. Mit absoluter Ehrlichkeit, trockenem Humor und der Entschlossenheit, abgelatschte narrative Pfade zu verlassen, seziert er darin die kleinen Absurditäten im Leben seines fiktiven Alter Egos: Eines so neurotischen wie liebenswürdigen Mitt-Zwanzigjährigen, dessen Ex-Freundin ihm in der ersten Folge nahelegt, dass er schwul ist, und der – eingebettet in eine auf authentische Art verschrobene Gemeinschaft, die aus Freunden und Familie besteht – um Zuneigung buhlt. (kanu)

Happy Together

Liebestrip durch Buenos Aires, 1997
Zum Leihen/Kaufen

Die Hongkong-Regielegende Wong Kar-Wai („In the Mood for Love“) hat unterschiedliche Genres bespielt, aber eigentlich immer nur Liebesfilme gedreht – einer schöner als der andere. Als „queer“ wurde sein Klassiker „Happy Together“ im cinephilen Diskurs der 1990er-Jahre nicht wirklich wahrgenommen. Sondern schlicht als verträumt-melancholische Lovestory zwischen zwei enorm fotogenen Männern (Leslie Cheung und Tony Leung), deren Beziehung in einem sinnlich flirrenden Buenos Aires auseinander driftet. Licht, Musik, Farbe, Textur: Das ist hier die einzig wahre Sprache der Liebe. (and)

Ride or Die

Japanische Amour Fou, 2021
Zu sehen auf Netflix

„Bonnie & Clyde“, „Badlands“, „Thelma & Louise“: Die Ahnenreihe des „Lovers-on-the-Run“-Films ist lang. Der besondere Reiz dieses Genres liegt in seiner Verknüpfung von Romantik und Asozialität. So auch in der japanischen Netflix-Produktion „Ride or Die“: Die labile Einzelgängerin Rei (umwerfend: Kiko Mizuhara) tötet den Ehemann ihrer ehemaligen Mitschülerin Nanae (Honami Sato). Weil Nanae immer wieder von diesem verprügelt wurde – aber auch, weil Rei in Nanae verliebt ist. Obwohl das Begehren zunächst einseitig zu sein scheint, schließt sich Nanae Rei an. Gemeinsam fahren die zwei im schicken roten BMW durch Japan, ohne echtes (oder zumindest ohne äußeres) Ziel.

Denn der auf einem Manga basierende und vom Arthaus-Profi Ryuichi Hiroki mit gewohnter Eleganz inszenierte „Ride or Die“ ist, seiner rasanten Oberflächenbewegung zum Trotz, vorrangig ein Charakterdrama. Der radikale Freiheitsdrang der Hauptfiguren erweist sich als ambivalent: Einerseits drängt er sie aus der Gesellschaft heraus, andererseits näher zueinander hin. Individuelle Befreiung und intime Nähe fallen jedoch nur momenthaft in eins – in kostbaren Augenblicken des höchsten und gleichzeitig hilflosen Glücks. (luk)

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