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Inklusion

Lernen, wie alle profitieren

Die Digitalisierung kann benachteiligten Gruppen die Teilhabe erleichtern – aber auch selbst zur Hürde werden.
Die Digitalisierung kann benachteiligten Gruppen die Teilhabe erleichtern – aber auch selbst zur Hürde werden.Uni Wien/Adobestock
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In einer immer digitaler werdenden Gesellschaft sind Bildungseinrichtungen gefragt, die Inklusion voranzutreiben, um den Zugang zu digitalen Medien für alle zu ermöglichen.

Die Coronapandemie hat deutlich gezeigt, was es bedeutet, wenn nicht alle Kinder und Jugendlichen an digitalen Lernangeboten teilnehmen können. Dabei liegt gerade in der digital-inklusiven Bildung ein großes Potenzial, allen Menschen gleichberechtigt den Zugang zu gängigen Technologien zu ermöglichen – ungeachtet ihres kulturellen oder sozio-ökonomischen Hintergrunds, Alters oder Geschlechts und unabhängig davon, ob sie eine Behinderung haben oder nicht. Das Postgraduate Center der Universität Wien bietet heuer zum ersten Mal den Zertifikatskurs Digitial Inclusion an. „Der Kurs soll dazu beitragen, digitaler Ausgrenzung entgegenzuwirken“, sagt Christa Markom, wissenschaftliche Koordinatorin des Lehrgangs. „Jeder soll zur digitalen Gesellschaft beitragen können und auch von ihr profitieren.“ Der Kurs besteht aus drei Modulen, in denen neueste Forschungsergebnisse einen Einblick in die Bereiche Science & Technology Studies, ICT-gestützte Arbeitsfelder, Pädagogik & Philosophie, Rechts- und Wirtschaftswissenschaften sowie Wissen aus dem Feld der Bildungsanthropologie geben. „In den Modulen werden unter anderem ,New Digital Skills‘, Best-Practice-Beispiele zu digitaler Inklusion sowie die Rolle von Technologie im Verhältnis zu Inklusion, Diversität und Bildung erarbeitet“, erläutert Markom. Darüber hinaus ermögliche das praxisorientierte Modul den Teilnehmenden, Maßnahmen zur digitalen Inklusion mit Blick auf ihr eigenes aktuelles Arbeitsumfeld zu entwickeln. Der Kurs richtet sich an all jene, die an Mensch-Maschine-Schnittstellen arbeiten, vorwiegend aus den Bereichen Bildung, Wirtschaft und Kultur.

 

Digital lehren und lernen

Bei der digital-inklusiven Bildung kommt insbesondere Schulen eine wichtige Rolle zu. Digitale Medien können Lehrkräfte unterstützen, Barrieren in der Bildung abbauen und dadurch jeden individuell fördern. Die Pädagogische Hochschule Niederösterreich hat in diesem Zusammenhang erstmals den Masterlehrgang Digital lehren und lernen, digitale Lernräume gestalten im Studienprogramm aufgenommen. Er richtet sich an Lehrer der Primar- und Sekundarstufe aller Schularten mit dem Ziel, den Einsatz digitaler Medien im schulischen Bereich zu professionalisieren. „Der Lehrgang dauert sechs Semester und ist berufsbegleitend konzipiert“, erläutert Lehrgangsleiter Gerhard Brandhofer. In 13 Modulen lernen die Studierenden Inhalte und Aufgabenstellungen zu Informationstechnologien und deren Anwendungen kennen. „Ein wesentlicher Aspekt ist die gesellschaftlich-kulturelle Perspektive“, so Brandhofer. „Gemäß dem Prinzip ,Design for All‘ werden die Chancen durch digitale Medien für alle beleuchtet und die Anforderungen für Menschen mit speziellen Bedürfnissen bei den verschiedenen Themenbereichen berücksichtigt.“ Die Teilnehmenden sollen nach Absolvierung des Hochschullehrgangs in der Lage sein, digitale Medien zielgerichtet im Unterricht einzusetzen und die Schüler im Umgang und in der reflektierten Auseinandersetzung mit allen Aspekten der digitalen Mediennutzung zu sensibilisieren.

 

Barrierefreie Gestaltung

Wenn es um Teilhabe und Chancengleichheit geht, bringt die digitale Transformation viele Möglichkeiten, aber auch gesellschaftliche Herausforderungen mit sich, wie etwa neue soziale Ungleichheiten durch Zugangshürden. Um dem entgegenzuwirken, bietet die FH Kärnten das Masterstudium Disability, Diversity & Digitalisierung in ihrem Studienangebot. „Der Schwerpunkt des Studiums, das zu 80 Prozent online abgehalten wird, liegt in der inhaltlichen Verschränkung von digitalen Grundlagen und Kompetenzen mit sozialwissenschaftlich-reflexiver und ethischer Expertise“, erklärt Studiengangleiterin Susanne Dungs.

 

Inklusion als Menschenrecht

Die Themen Inklusion, Menschenrechte, humane und barrierefreie Gestaltung von digitalen Technologien werden miteinander verbunden. „Wir sehen darin einen gesellschaftlichen Beitrag zur Umsetzung der UN-Behindertenrechtskonvention und zu einer inklusiven Hochschulbildung vor dem Hintergrund der Digitalisierung der Gesellschaft.“ Im Masterstudium werden die Chancen und Risken der umfassenden Digitalisierung beleuchtet. Ziel ist es, Expertinnen und Experten auszubilden, die soziale und technische Perspektiven zusammenführen und in die Entwicklung und den Einsatz von Assistiven Technologien einfließen lassen. „Die Einsatzfelder sind breit. Oftmals ergibt sich eine interessante Kombination aus der Vorbildung der Studierenden und den im Studium gewonnenen Expertisen“, sagt Dungs.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 11.06.2022)