Bunker und Schutzräume

Helsinki, die Hauptstadt der Prepper

Der „Merihaka Shelter“ in Helsinki: In Friedenszeiten spielen sie hier Hockey, im Katastrophenfall sollen auf dem Areal 6000 Menschen Zuflucht finden.
Der „Merihaka Shelter“ in Helsinki: In Friedenszeiten spielen sie hier Hockey, im Katastrophenfall sollen auf dem Areal 6000 Menschen Zuflucht finden. (c) REUTERS (STOYAN NENOV)
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In Helsinki sind sie vorbereitet – auf alles und immer. Im Krisenfall könnte die ganze Stadt unter der Erde verschwinden. Tausende Bunker würden die Finnen auch vor einem Atomschlag schützen. Besuch in einer gigantischen Höhle mitten in Helsinki.

Die Kleinen amüsieren sich. Auf dem blauen Linoleumboden jagen sie mit Hockeyschlägern einem roten Ball hinterher. Sie spielen Salibandy, eine Variante von Hallenhockey, die in Finnland populär ist. Die Szene ist alltäglich, aber die Kulisse ist es nicht. An den Wänden wölbt sich links und rechts und oben weiß gestrichener Granit. Dieser Spielort ist keine Halle. Er ist eine Höhle. Wo zu Friedenszeiten Kinder Salibandy spielen, soll man in Kriegszeiten Gasangriffe und nukleare Apokalypsen überstehen. In maximal 72 Stunden können die Finnen die Sport- und Freizeitanlage hier im Zentrum Helsinkis in einen riesigen Bunker für 6000 Menschen verwandeln.

Helsinki ist eine Rarität. Es ist die Prepper-Hauptstadt der EU. Das Wort „Prepper“ ist zwar kontaminiert, weil es auch für Extremisten gebraucht worden ist, die einen nahenden Tag X herbeifantasieren. Aber so ist das nicht gemeint. „To prep“ ist kurz für „to prepare“ und laut Duden bedeutet „preppen“, „sich für den Krisen- oder Katastrophenfall zu rüsten“. So verstanden ist das Wort passgenau: Finnland „preppt“ hemmungslos. Sie rüsten sich für alles und immer. Ein Staat wie eine Versicherungsanstalt.

„Grauzone“.
In diesen Tagen schaut die Weltöffentlichkeit wieder in den Norden. Finnland will in die Nato. Aber es steckt in der „Grauzone“ fest. Ein Beitritt ist schon beantragt, aber er ist noch nicht vollzogen. Die Türkei blockiert den Prozess, und niemand weiß mit letzter Sicherheit, wie lang noch. Die „Grauzone“ ist kein schöner Ort. Es gibt dort keine Sicherheitsgarantien, nicht von der Nato. Muss man sich um die Finnen Sorgen machen?

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