Dieser Browser wird nicht mehr unterstützt

Bitte wechseln Sie zu einem unterstützten Browser wie Chrome, Firefox, Safari oder Edge.

Premium
Premiere

Bunte Hochzeitsparty für Orpheus und Eurydike in der Staatsoper

Kate Lindsey
Kate LindseyWIENER STAATSOPER/MICHAEL PÖHN
  • Drucken

Monteverdis „L'Orfeo“, erstmals in der Staatsoper: Standing Ovations für die blümchenbunte und grottendüstere Regie von Tom Morris. Pablo Heras-Casado am Pult des Concentus Musicus liebt es opulent, Georg Nigl lässt in der Titelrolle niemand kalt.

Nobel geht die Welt zugrunde! Wer sich's leisten kann, heiratet einfach in der Staatsoper. Eine Abordnung Trompeter schmettert mehrmals die „Toccata“, also die Gonzaga-Fanfare, während des Eintreffens des Publikums auf der Hauptstiege: Das von Pracht und Macht vibrierende Klangsymbol, geschaffen von Claudio Monteverdi für den Herzog von Mantua, wird umfunktioniert zum allgemeinen Festsignal. Im Saal übernehmen es Violinen aus der Proszeniumsloge, später auch Blockflöten. Das Gesangsensemble flaniert in seinen Fantasiekostümen zwischen Lifeball und Flowerpower durchs Parkett und begrüßt die Premierenbesucher als Hochzeitsgäste des Paares Orfeo und Euridice.

Ganz am Ende der Vorstellung, im improvisatorisch angereicherten Schlussakkord, wird die Fanfare, diese Mutter aller Opernouvertüren, nochmals ihr stolzes Haupt erheben – und La Musica, die den Abend mit ihrem Prolog überraschend auf Deutsch und Englisch bei der ansonsten original italienisch gesungenen Vorstellung eingeleitet hatte, verneigt sich stellvertretend für alle. Da hat Orfeo mit Leidensmiene bereits sein Schicksal akzeptiert, das ihn als Witwer, zusammen mit der neuerlich leblosen Gattin, in den Himmel versetzt, sprich: vergöttlicht ganz der Kunst überantwortet, zum eigenen Trost und zur Ergötzung der Menschen.

Opulent: Pablo Heras-Casado