Dieser Browser wird nicht mehr unterstützt

Bitte wechseln Sie zu einem unterstützten Browser wie Chrome, Firefox, Safari oder Edge.

Sipri-Jahresbericht

Friedensforscher rechnen mit wachsenden Atomwaffenarsenalen

Dieses Foto, das vom russischen Verteidigungsministerium veröffentlicht wurde, soll den Probelauf der neuen Sarmat-Rakete, einer interkontinentalen ballistischen Rakete, zeigen.
Dieses Foto, das vom russischen Verteidigungsministerium veröffentlicht wurde, soll den Probelauf der neuen Sarmat-Rakete, einer interkontinentalen ballistischen Rakete, zeigen.(c) APA/AFP/Russian Defence Ministry/HANDOUT (HANDOUT)
  • Drucken

Das Stockholmer Friedensforschungsinstitut Sirpi rechnet damit, dass die Atommächte ihre Arsenale weiter vergrößern und modernisieren werden. Die Gefahr des Einsatzes von Nuklearwaffen sei größer als je zuvor seit dem Kaltem Krieg.

Trotz eines leichten Rückgangs der weltweit verfügbaren Atomwaffen und Atomsprengköpfe im vergangenen Jahr rechnet das Stockholmer Friedensforschungsinstitut (Sipri) damit, dass die Atomwaffenarsenale der neun Atommächte im kommenden Jahrzehnt wieder wachsen werden. Auch die Gefahr des Einsatzes atomarer Waffen sei größer als je zuvor seit dem Kalten Krieg, so Sirpi-Direktor Dan Smith anlässlich der Präsentation des Sipri-Jahrbuchs am Montag.

Alle Atommächte würden ihre Lager vergrößern oder modernisieren, ein Großteil verschärfe auch die "nukleare Rhetorik" und stärke die Rolle von Atomwaffen in ihrer militärischen Strategie, heißt es im Jahrbuch 2022. Das sei ein "sehr besorgniserregender Trend", sagte Wilfred Wan, Direktor des Sipri-Programms für Massenvernichtungswaffen, in einer Aussendung. Generell gebe es klare Anzeichen für das Ende des kontinuierlichen Abbaus der globalen Atomwaffenarsenale, das die Zeit nach dem Kalten Krieg charakterisierte.

Von geschätzten 12.705 Sprengköpfen der neun Atomstaaten - neben den USA und Russland das Vereinigte Königreich, Frankreich, China, Indien, Pakistan, Israel und Nordkorea - befanden sich Anfang des Jahres 9.440 in militärischen Lagern für potenzielle Verwendung, schreiben die Stockholmer Friedensforscher. Davon seien etwa 3.732 nukleare Sprengköpfe einsatzbereit und rund 2.000 in höchster Alarmbereitschaft - beinahe alle davon im Bestand der USA oder Russland.

Russland und USA im Besitz von über 90 Prozent des Nukleararsenals

Russland (5.977) und die USA (5.428) - sie besitzen weiterhin mehr als 90 Prozent des weltweiten Nukleararsenals - haben im vergangenen Jahr zwar die Zahl ihrer Atomsprengköpfe weiter reduziert, doch ist dies laut Sipri vor allem auf die Beseitigung bereits vor Jahren aussortierter Waffen zurückzuführen. Die Zahl der einsatzbereiten nuklearen Sprengköpfe blieb demnach im vergangenen Jahr relativ stabil. Für die kommenden zehn Jahre prognostizieren die schwedischen Experten einen Anstieg der Zahl der weltweiten Nuklearwaffen.

So sei etwa China gerade dabei, sein Arsenal substanziell aufzustocken. Großbritannien habe bereits angekündigt, erstmals seit Jahrzehnten die Obergrenze für Atomsprengköpfe erhöhen zu wollen. Frankreich entwickle derzeit die dritte Generation der Atom-U-Boot-Trägerrakete (SSBN) und auch Indien, Pakistan und Israel, das offiziell Aussagen zu seinen Atomwaffenbeständen verweigert, arbeiteten an der Expansion und Erneuerung ihrer Atomwaffenarsenale, heißt es in dem Sipri-Bericht.

Nordkorea priorisiere sein Atomwaffenprogramm weiter als "zentrales Element" der nationalen Sicherheitsstrategie. Die Sipri-Experten schätzen, dass das Land derzeit über 20 nukleare Sprengköpfe verfügt und genug Material für 25 bis 35 weitere besitze.

Würden die Staaten, die über Atomwaffenarsenale verfügen, nicht "unmittelbare und konkrete" Maßnahmen zur Abrüstung ergreifen, werde der Bestand nuklearer Sprengköpfe bald erstmals seit dem Kalten Krieg wieder steigen, warnte Matt Korda, Sipri-Experte für Massenvernichtungswaffen und Mitarbeiter der Federation of American Scientists (FAS).

(APA)