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Perspektiven

Energietechnologie im geförderten Wohnbau

Stephan Gröger, GF der Heimat Österreich, und Dietmar Stampfer, GF ECA energy consulting austria, engagieren sich für nachhaltiges Bauen und klimaoptimierte Energieversorgung im Rahmen des geförderten Wohnbaus.
Stephan Gröger, GF der Heimat Österreich, und Dietmar Stampfer, GF ECA energy consulting austria, engagieren sich für nachhaltiges Bauen und klimaoptimierte Energieversorgung im Rahmen des geförderten Wohnbaus.(c) Vogl-Perspektive.at
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Schwerpunkt Nachhaltigkeit. Mit der Sanierung und Aufstockung einer Wohnanlage in Salzburg hat die Heimat Österreich ein Leuchtturmprojekt geschaffen. Im Fokus steht ein innovatives Energieversorgungssystem.

Es passiert nicht alle Tage, dass sich für die Übergabe eines Bauprojekts hochrangige Vertreter aus Politik, Forschung und Wissenschaft versammeln, um eine Laudatio zu halten. Mitte Mai gebührte die Ehre den Verantwortlichen des Projekts Friedrich-Inhauser-Straße im Salzburger Stadtteil Aigen. Gewürdigt wurde in einem Festakt vor Ort, dass die gemeinnützige Wohnbaugesellschaft Heimat Österreich in Kooperation mit Partnerunternehmen – u. a. TB Stampfer, ECA energy consulting austria und FH Salzburg – ein Sanierungsvorhaben in die Tat umgesetzt hat, das nach Auffassung der ExpertInnen zentralen Zukunftsthemen des Wohnens gerecht wird.

Ökologische Energie

Die Wohnsiedlung in Aigen wurde Mitte der 1980er-Jahre errichtet und war dringend sanierungsbedürftig. Mit der zentralen Vision, die Pariser Klimaziele von 2030 einzuhalten, wurde ein umfassendes Konzept entwickelt. Im Fokus standen dabei insbesondere die technischen Lösungen für ein innovatives Energiegewinnungssystem, das im Rahmen des geförderten Wohnbaus als beispielgebend gelten sollte.
Bei der Revitalisierung der Bestandsgebäude der Siedlung und der Aufstockung von ehemals 75 Wohnungen auf nunmehr 99 Wohneinheiten lautete das oberste Ziel, den CO2-Ausstoß der Wohnungsanlage auf ein Minimum zu reduzieren und eine Energieversorgungsanlage nach ausschließlich ökologischen Gesichtspunkten zu errichten.

Fünf Jahre nach Planungsbeginn präsentiert sich die umweltzertifizierte Wohnanlage mit zahlreichen nachhaltigen Innovationen.
Fünf Jahre nach Planungsbeginn präsentiert sich die umweltzertifizierte Wohnanlage mit zahlreichen nachhaltigen Innovationen.(c) Vogl-Perspektive.at

Wärmerückgewinnung

Der Schwerpunkt wurde ab Planungsbeginn im Jahr 2017 auf die Rückgewinnung von nicht vermeidbaren (nutzerabhängigen) Energieverlusten gelegt. Nachdem der Einbau einer kontrollierten Wohnraumlüftungsanlage mit Wärmerückgewinnung nicht möglich war, wurde eine bedarfsgeregelte Abluftanlage mit Außenluftnachströmung installiert. Damit die wertvolle Energie aus der verbrauchten Raumabluft aller 99 Mietwohnungen ganzjährig genutzt werden kann, wurde für jedes Gebäude ein zentraler Abluftventilator mit Kühlregister zur Wärmerückgewinnung eingesetzt.

Eine ebenso innovative Lösung entwickelten die ExpertInnen in Bezug auf die Abwasser-Wärmerückgewinnung. „Das gesamte häusliche Abwasser wird in einem permanenten ökologischen Kreislauf zentral gesammelt, gefiltert, entwärmt und entsorgt“, erläutert Dietmar ­Stampfer, Geschäftsführer des technischen Planungsbüros ­TB ­Stampfer und der ECA energy consulting ­austria. Die Idee dahinter: Langzeitmessungen zeigen, dass die mittlere jährliche Abwassertemperatur im kommunalen Wohnbau 18 bis 23 Grad Celsius beträgt, was ein enormes Energiepotenzial darstellt. Stampfer zu den Details beim Salzburger Projekt: „Bei dieser Wohnanlage fallen täglich rund 30.000 Liter an thermisch hochwertigem Abwasser an. Dieses wird über einen speziellen Plattenwärmetauscher im Abwasser-Sammelschacht und einer Sole-Wasser-Wärmepumpe auf fünf Grad entwärmt und in die öffentliche Kanalisation abgeleitet. Die Feststoffe im Abwasserfilter werden einmal täglich rückgespült.“ Dieser einfache und vollökologische Prozess wiederholt sich täglich.

Der Abwassertank, mit Filter und Wärmetauscher, hat ein Nutzvolumen von ca. 25 Kubikmeter und ist eines der Herzstücke der Anlage.
Der Abwassertank, mit Filter und Wärmetauscher, hat ein Nutzvolumen von ca. 25 Kubikmeter und ist eines der Herzstücke der Anlage.(c) Vogl-Perspektive.at

Ergänzende Systemtechnik

Vom System her wird also die permanent rückgewonnene Energie über hocheffiziente Wärmepumpen in einen 25.000 Liter Heizwasser-Schichtspeicher transferiert und ganzjährig für die Beheizung des Gebäudes und für die Trinkwassererwärmung herangezogen. Der Restenergiebedarf wird über einen kleindimensionierten Pelletskessel abgedeckt, der die Energieversorgung aus der Wärmerückgewinnung mit einem Anteil von etwa 25 Prozent ergänzt. Die Wärmepumpen und Abluftventilatoren werden vorrangig über Solarstrom (PV-Anlage) betrieben. „Somit kann ein perfekter vollökologischer Energiekreislauf erreicht werden, der über ein permanentes Online-Monitoring auch überwacht, optimiert und dokumentiert wird“, so Stampfer. Das gesamte System laufe im Grunde von allein und bedürfe keines höheren Wartungsaufwands als jede andere Energieversorgungsanlage auch.

Der 8,2 Meter hohe Pufferspeicher integriert sich neben dem Mobility Point in das Gesamtbild der Wohnanlage.
Der 8,2 Meter hohe Pufferspeicher integriert sich neben dem Mobility Point in das Gesamtbild der Wohnanlage.(c) Vogl-Perspektive.at

Vielversprechende Ergebnisse

Seit Mitte Dezember 2021 ist die Energieversorgungsanlage, deren Funktion bereits im Zuge der Haustechnikplanung seitens der FH Salzburg – Smart Building dynamisch simuliert wurde, nunmehr in Betrieb. Die ersten Ergebnisse sind vielversprechend. „Auf Basis der Anlagensimulation und der bisherigen Erkenntnisse aus dem laufenden Online-Monitoring zeichnen sich hervorragende Endenergie-Deckungsraten ab. Die Umstellung der Heizenergieversorgung von fossilem Erdgas auf ein CO2-neutrales Energiesystem bringt eine jährliche CO2-Einsparung von rund 110 Tonnen“, berichtet Stampfer.
Seitens der Wohnbaugesellschaft zeigt man sich hochzufrieden. „Das Einzigartige und Innovative bei diesem Sanierungsprojekt ist die erstmals realisierte Rückgewinnung jener nicht vermeidbaren, nutzerabhängigen Energieverluste bei Abwasser und Abluft im kommunalen Wohnbau“, bringt es ­Stephan Gröger, Geschäftsführer der Heimat Österreich, auf den Punkt – und betont die zukunftsträchtige Vorbildwirkung: „Derartige Energie-Rückgewinnungssysteme sind in Gebäuden mit ganzjährig hoher Personenbelegung – am Beispiel kommunaler Wohnbau, Pflege- und Krankenhäuser, Hotellerie usw. – sowohl in der Sanierung als auch im Neubau perfekt einsetzbar.

Projekt: Daten und Fakten

Friedrich-Inhauser-Straße 1-15, Aigen, Salzburg Stadt

  • geförderte Mietwohnungen
  • 8 Bauteile mit 99 Wohneinheiten (Aufstockung im Zuge der Sanierung von 75 auf 99 Wohneinheiten)
  • 68 Tiefgaragen-Parkplätze, 337 Fahrradstellplätze

Erfolgreich umgesetzte Projektziele:

  • Energieerzeugung in einem vollökologischen Kreislauf
    (Abwasser-Wärmerückgewinnung, Abluft-Wärmerückgewinnung,
    Solarstrom, Biomasse)
  • Errichtung eines Mobility Points (E-Carsharing, E-Fahrräder,
    E-Lastenräder, usw.)
  • Qualitätssicherung: „Goldstandard“ für nachhaltige Wohn- und
    Dienstleistungsgebäude von klimaaktiv
  • Soziale Begleitung und Unterstützung der Bewohner im
    Zuge des Aus-, Um- und Rückzuges
  • Hochwertige Architektur und Freiraumgestaltung (Gärten,
    Grünflächen, Gemeinschafsflächen)

Kontakt

Heimat Österreich gemeinnützige Wohnungs- und Siedlungsges.m.b.H.
+43 662 437521 / office@hoe.at
heimat-oesterreich.at

TB Stampfer GmbH
+43 662 450295 /
stampfer@tb-stampfer.at
eca-consulting.at

Information

Die Seite entstand mit finanzieller Unterstützung der Heimat Österreich.