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Kolumne zum Tag

Feu! Chatterton: Eine neue Klangwelt hinter der Sprachbarriere

In den österreichischen Rundfunkprogrammen bekommt man von der aufregenden zeitgenössischen Popmusik in Europa nichts mit - außer, sie findet auf Englisch statt. Was einem da alles entgeht!

Eine neue Welt: Davon haben wir alle geträumt. Aber was können wir mit unseren eigenen Händen anfangen? Null. Das Bluetooth einschalten. Diese Einsicht in das Dilemma meiner und möglicherweise auch anderer Generationen, die zwar spüren, dass die Dinge aus dem Lot sind, aber selbst keine nützlichen Fertigkeiten vorweisen, um etwas Besseres zu erschaffen, ist der Refrain der seit mehreren Wochen in meiner persönlichen Hitparade auf Nummer eins befindlichen Nummer „Un Monde Nouveau“ der französischen Rockband Feu! Chatterton.

Vorige Woche waren die fünf Mittdreißiger im Rahmen ihrer Tournee in Brüssel, und wenn es nicht nur im Fußball, sondern auch in der Popmusik Heimspiele gibt, dann war das beinahe eines. Seit ich vor ziemlich genau drei Jahrzehnten erstmals auf einem Konzert war, im damals noch Praterstadion genannten Oval bei Dire Straits und Was (Not Was), habe ich vermutlich keine so gute Band erlebt; man erkennt, wieso die zu Recht seit Jahren die beste aktuelle Gruppe Frankreichs sind. Pop ist ja bisweilen ein ziemlich zynisches Geschäft, so manche Band verfällt nach einem guten Album in Genialitätsverdacht gegen sich selbst und in arrogante Starallüren gegenüber ihrem Publikum, aber das war bei Feu! Chatterton eben nicht so. „Die haben echt eine Gaudi“, sagte mein Freund F., den es ebenso wie mich nicht auf den Sitzen hoch oben im zweiten Rang hielt. Als Zugabe spielten sie „L'Affiche rouge“ von Léo Ferré, eine tieftraurige und bildschöne Ballade über zum Tode verurteilte Widerstandskämpfer. Und es war besser als das Original.

Ich finde es darum sehr schade, dass österreichische Musikfreunde Feu! Chatterton vermutlich nie sehen und hören werden (außer, sie haben einen starken Bezug zu Frankreich). Französische, italienische, spanische aktuelle Musik: Wo kann man Fremdsprachiges in den Programmen des ORF schon hören – außer, es ist das allgegenwärtige Englisch?