Dieser Browser wird nicht mehr unterstützt

Bitte wechseln Sie zu einem unterstützten Browser wie Chrome, Firefox, Safari oder Edge.

Premium
Interview

Psychologin Spiel: "Den Bildungsbereich sollte man parteifrei halten"

Christiane Spiel erforscht das Bildungssystem seit Jahrzehnten. Sie plädiert für weniger Ideologie und Einfluss von Parteien.
Christiane Spiel erforscht das Bildungssystem seit Jahrzehnten. Sie plädiert für weniger Ideologie und Einfluss von Parteien.(c) Daniel Novotny
  • Drucken

Bildungspsychologin Christiane Spiel über Baustellen im System und den zunehmenden Einfluss von Parteipolitik im Bildungsministerium.

Die Presse: Sie erforschen seit 25 Jahren den Bildungsbereich. Wo liegen die größten Baustellen?

Christiane Spiel: Ich sehe drei wichtige Bereiche, wo es gilt anzusetzen. Erstens sollten Maßnahmen, von denen wir schon wissen, dass sie erfolgreich sind, endlich umgesetzt werden. Dazu gehört der Ausbau des elementaren Bereichs. Zweitens ist es notwendig, dass für die Umsetzung von Maßnahmen Implementierungskonzepte entwickelt werden, die von den jeweiligen Zielgruppen – ihrem Vorwissen, ihren Einstellungen – her gedacht sind. Geschieht dies nicht, geht bei der Umsetzung zumeist vieles schief, und statt Erfolgen wird verbrannte Erde hinterlassen. Drittens sollten wir Ereignisse, mit denen wir nicht gerechnet haben, als Impuls nutzen.

Wie meinen Sie das?

Wir sollten die aktuellen Krisen zum Anlass nehmen, zu überlegen, welche Kompetenzen junge Menschen in der Zukunft brauchen, damit sie die vielen Herausforderungen nicht nur als Bedrohung sehen, sondern sich zutrauen, damit umzugehen und die Welt ins Positive zu rücken. Sie müssen mit Veränderungen umgehen können, Selbstvertrauen und Mut haben. Sie müssen Lösungsstrategien und eine Fehlerkultur entwickeln. Derzeit schaut das Bildungssystem eher darauf, Fehler auszumerzen. Reflektierte Fehler sind jedoch Lerngewinne.