Dieser Browser wird nicht mehr unterstützt

Bitte wechseln Sie zu einem unterstützten Browser wie Chrome, Firefox, Safari oder Edge.

Friedens- und Umweltbewegte rücken zusammen

Reutlingen Themenbilder: Friedensdemo fuer die Ukraine auf dem Reutlinger Marktplatz, 06.03.2022 Themenbilder: Friedens
Die deutsche Friedensbewegung ist deutlich ausgeprägter und stärker als die österreichische - nun wollen heimische Organisationen nachziehen.(c) IMAGO/Eibner (IMAGO/DROFITSCH/EIBNER)
  • Drucken

Initiativen, die sich für den Frieden einsetzen, und Umweltorganisationen wollen künftig verstärkt kooperieren.

Es ist nicht der blutige Krieg Russlands gegen die Ukraine, der die Basis gelegt hat, auf der die verstärkte Zusammenarbeit von Friedensinitiativen und Umweltbewegten begründet wird. Was in Deutschland bereits sehr viel früher stattgefunden hat, beginnt nun auch in Österreich und geht vor allem zurück auf das Inkrafttreten des Atomwaffen-Verbots-Vertrags – eine seit dem Jänner des Vorjahres völkerrechtlich verbindlichen Vereinbarung.

Für Länder, die diesem Vertrag beigetreten sind, ist nicht nur der Besitz von nuklearen Waffen verboten. Es ist von dem jeweiligen Land auch sicherzustellen, dass es keine Infrastruktur gibt, die für Atomwaffen genutzt werden kann.

Anlässlich des Inkrafttretens des Vertrags im vorigen Jahr geht am Dienstag kommender Woche die erste Konferenz der Unterzeichnerstaaten im Wiener Austria Center in Szene. Dabei werden die Delegationen Erfahrungen austauschen und – jedenfalls informell – wohl auch darüber debattieren, wie der Kreis der Unterzeichnerstaaten erweitert werden kann. Die große Herausforderung dabei: Bisher ist noch kein Staat, der über Atomwaffen verfügt, dem Abkommen beigetreten.

Bereits am Wochenende vor der offiziellen Konferenz werden bei einer Tagung in Wien Möglichkeiten der Zusammenarbeit erörtert. Ziel ist es, gemeinsam die umfassenden Gefährdungen durch nukleares Material stärker ins Bewusstsein zu rücken – Es geht nicht nur um die verheerenden Folgen des Einsatzes dieser Waffen, sondern auch um die oft an den Rand gedrückten Gefahren, die durch Lagerung, Transport und Herstellung von Nuklearwaffen entstehen.

Und schließlich werden häufig die Maßnahmen vergessen, die für die Sicherung des spaltbaren Materials ergriffen werden. Spätestens hier verwischen sich die Grenzen zwischen der militärischen und zivilen Nutzung von Uran und Plutonium. Diese Sicherheitsmaßnahmen sind immer auch zumindest mit Beschränkungen verbunden – zum Beispiel bei der Transparenz einschlägiger Information oder zivilgesellschaftlicher Mitsprache. Und natürlich geht es auch um Geld: Denn die Ausgaben für militärische Zwecke werden auf fünf Milliarden US-Dollar geschätzt – täglich. Ein großer Teil davon entsteht durch die nukleare Rüstung. Rechnerisch sind dies Hunderttausende Dollar an Ausgaben, die statistisch auf jeden Bewohner und jede Bewohnerin der Erde entfallen.

Es ist ein Geld, das dringend benötigt würde, um die Umweltkrise zu bewältigen und der weltweit zunehmenden Ungleichheit entgegenzuwirken. Gerhard Kofler, Koordinator von „abfang“ und einer der Hauptinitiatoren des Treffens, setzt sich außerdem dafür ein, dass auch mehr Geld aus öffentlichen Quellen für Friedensforschung vorhanden ist. Kofler, der früher als Techniker gearbeitet hat, entfaltetet sein zivilgesellschaftliches Engagement erst seit seiner Pensionierung. Warum? „Ich bin in einem kleinen Dorf in Niederösterreich aufgewachsen. Mein Ziehvater war von der Nazi-Doktrin geprägt, meine Tante deklarierte Kommunistin. Meine Mutter stand dazwischen und wollte Frieden. Wir haben in Frieden gelebt, das hat mich geprägt.“

Die Tagung beginnt am Sonntag um 17 Uhr. Einer der prominentesten Teilnehmer ist der ehemalige deutsche Staatssekretär Michael Müller, der über „Frieden, Sicherheit, Klima- und Umweltkrise“ referieren wird. Müller hat sich im deutsche Ministerium für Umwelt und Reaktorsicherheit mit allen Facetten der Nachhaltigkeit und mit der Lagerung hochradioaktiven Abfalls beschäftigt.

Abgeschlossen wird dieses Vernetzungstreffen im ÖGB von Umwelt- und Friedensinitiativen mit einer Diskussion. Der Krieg in der Ukraine kann dabei nicht ausgespart werden: Vor diesem Hintergrund werden auch Yurii Sheliazhenko, Exekutivsekretär der Ukrainischen Pazifistische Bewegung, und Oleg Bodrov, Ökologe und Vorsitzender des Öffentlichen Umweltrates der Südküste des Finnischen Meerbusens in Russland, per Video dabei sein.

Die Veranstaltung findet im ÖGB-Catamaran an der Donau (U 2-Station Donaumarina) statt. Anmeldung erbeten:contact@abfang.org

Außerdem ist ein Videostream geplant