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Nachruf

Adieu, Internet Explorer!

APA
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Nach mehr als einem Vierteljahrhundert zieht Microsoft dem Internet Explorer den Stecker. Unter Nutzerinnern und Nutzern hat der Browser längst ausgedient, doch in manchem Unternehmen löst dieser Schritt eine kleine Panik aus.

Jetzt ist er also endgültig Geschichte. Der Internet Explorer, einst das Tor ins Internet, wird von Microsoft beerdigt. Nutzerinnen und Nutzer werden künftig auf den Edge-Browser umgeleitet. Der Windows-Konzern setzt damit einer ein Vierteljahrhundert alten Anwendung ein Ende, während sie gleichzeitig eine kleine Panik unter Unternehmen und Regierungsbehörden auslöst, die interne Systeme um den veralteten Browser herum aufgebaut haben.

Ein Rückblick: Am 24. August 1995 präsentierte Bill Gates unter der Moderation des damals bekanntesten Talkshow-Moderators Jay Leno das neue Betriebssystem Windows 95. (Knapp 30 Jahre später wurde die 90-minütige Vollversion der Keynote online gestellt.) Der Clou: An diesem Tag wurde auch der Internet Explorer vorgestellt. Er war standardmäßig installiert. Eine Kampfansage an den damaligen Netscape Navigator. Innerhalb von drei Jahren feierte der Internet Explorer einen Siegeszug auf den Rechnern dieser Welt. Mit dem großen Erfolg von Windows 95 war auch der Internet Explorer zum meistgenutzten Browser weltweit aufgestiegen. Das ging sogar so weit, dass es die EU auf den Plan rief. Zu groß sei die Marktmacht und zu forsch Microsofts Vorgehen. Mehr als ein Jahrzehnt dominierte der Browser, Mitbewerber konnten sich nicht durchsetzen, auch wenn sie deutlich besser und vor allem schneller waren. Mit über 90 Prozent Marktanteil zwischen 2002 und 2005 blieb für andere Browser nur wenig Platz. Auch wenn Mozilla mit Firefox zunehmend Marktanteile gewinnen konnte. Dennoch: Die EU kam zu einem für den Konzern folgenschweren Urteil: Microsoft musste 2009 eine sogenannte Browser-Choice bieten.

Wurde bei der Einrichtung eines Geräts der Internet Explorer erstmalig aufgerufen, erschien ein Fenster mit mehreren Icons anderer Anbieter. Die Nutzerinnen und Nutzer wurden gefragt, ob sie eine Alternative verwenden möchten. Viele folgten diesem Vorschlag und die Marktanteile des Internet Explorer sanken rapide. Chrome (Google), Firefox (Mozilla) und Opera freuten sich hingegen über steigende Nutzerzahlen.

"Die durch diese Entscheidung auferlegten Verpflichtungen sind nicht mehr gültig. Neuen Benutzern wird daher das Browserauswahl-Update nicht mehr bereitgestellt", hieß es dazu vom Konzern Ende 2014. An vergangene Erfolge konnte Microsoft nicht mehr anschließen.

Unter Hackern beliebtes Ziel

Doch nicht alleine das EU-Urteil war dafür verantwortlich, dass es mit dem Internet Explorer bergab ging. Andere Browser waren schneller und boten vor allem mehr Sicherheit: Durch die riesige Nutzergemeinschaft war der Browser ein gerne von Hackern in Angriff genommenes Ziel. In Kombination mit massiven Sicherheitslücken, wurden regelmäßig Daten erbeutet, was zu negativen Schlagzeilen führte und ein Umdenken bei den Nutzerinnen und Nutzern zur Folge hatte.

2012 war erstmals nicht mehr der Internet Explorer der meistgenutzte Browser, sondern jener von Google: Chrome - und das hat sich bis heute nicht geändert. Jedoch ist die Verteilung der Marktanteile viel breiter gefächert als in den Nuller-Jahren. Aktuell hält der Internet Explorer nur noch bei 0,72 Prozent. Dem Nachfolger Edge, der seit Jahren existiert, geht es ein bisschen besser. Weltweit wird dieser von 6,05 Prozent der Internetgemeinde genutzt.

Einige werden den Internet Explorer schmerzlich vermissen

Japan ist möglicherweise das Land, das am stärksten von diesem Schritt betroffen ist, denn eine Umfrage vom März ergab, dass 49 Prozent der hiesigen Unternehmen immer noch den IE verwenden. Am häufigsten wurde er für interne Verwaltungs-, Datenaustausch- und Buchhaltungssysteme verwendet. All diese Systeme hätten seit der Ankündigung von Microsofts IE-Abschaffungsplänen vor einem Jahr aktualisiert oder auf eine andere Software umgestellt werden müssen, doch laut Nikkei haben viele Unternehmen dies hinausgezögert.

Unternehmen im ganzen Land müssen nun schnell handeln, um sicherzustellen, dass sie weiterhin in der Lage sind, ihre Prozesse auszuführen, auch ohne Internet Explorer.

Als Business-Anwender haben sie auch eine verlängerte Gnadenfrist. Während am 15. Juni für Privatanwender endgültig Schluss ist, funktioniert der Internet Explorer noch bis 2025. Dann ist aber -rechtzeitig zum 30. Geburtstag - endgültig Schluss.