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Tierethik

Moralische Überlegenheit wackelt

Tierethikerin kritisiert Umgang mit Nutztieren.

Menschenaffen, Hunde, Delfine, Wale und Vögel gelten gemeinhin als intelligente Tiere. Selbst wirbellose Tintenfische können komplexe Probleme lösen. Was bedeutet es aber für die Mensch-Tier-Beziehung, wenn Tiere so wie wir Moralfähigkeit besitzen? Dieser Frage geht die Tierethikerin Judith Benz-Schwarzburg vom Messerli-Forschungsinstitut mit ihrem Team nach: „Es gibt einen jahrhundertelangen Streit in der Philosophie, ob wir die Rationalität oder mehr die Emotionalität betonen sollen.“ Aristoteles oder Kant sahen nur den Menschen als moralisches Subjekt an, weil dieser die Gründe seines Handelns reflektieren kann.

Von Ratten und Schweinen

„Wir gehen aber davon aus, dass moralisches Verhalten gar nicht so viel mit intellektueller Reflexion zu tun hat, sondern stark auf Emotionen basiert“, betont Benz-Schwarzburg. Diese Beschreibung brauche man auch, um weite Teile der moralischen Interaktion zwischen Menschen zu erklären, etwa, wenn man sich spontan hilfsbereit zeigt. Daraus folge, dass ein Tier, das empathisch handelt, ebenso moralisch agiere. Seit 2018 arbeitet die Forscherin in einem vom Wissenschaftsfonds FWF geförderten Projekt daran, den Charakter und die soziokognitiven Voraussetzungen moralischen Verhaltens bei Tieren näher zu bestimmen.
„Wir wissen heute, dass auch Ratten Mitgefühl haben und Schweine in manchen kognitiven und emotionalen Fähigkeiten mit Hunden vergleichbar sind“, sagt sie. Doch der Mensch hindere Tiere in vielerlei Hinsicht daran, ihre Fürsorge aufbauend auf moralischen Verhaltensweisen zu leben. „Nutztiere werden oft umgruppiert, da gehen familiäre Beziehungen und Freundschaften verloren“, so die Tierethikerin mit Verweis auf die neuseeländischen Hausschweine, deren ausgeprägtes Sozialverhalten am Messerli-Institut erforscht wird.