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Junge Forschung

Mit Protonen auf Tumore schießen

Ein Tumor lasse sich mit Protonenstrahlung gezielter bestrahlen und normales Gewebe besser schonen, erklärt Elisabeth Mara.
Ein Tumor lasse sich mit Protonenstrahlung gezielter bestrahlen und normales Gewebe besser schonen, erklärt Elisabeth Mara.[ Caio Kauffmann ]
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Aus Angst vor radioaktiver Strahlung stieg vor Kurzem die Nachfrage nach Jodtabletten wieder. Elisabeth Mara erforscht, wie Strahlung zum Guten genutzt werden kann.

Wenn ich sage, ich bin Strahlenbiologin, sind die meisten Leute sehr skeptisch. Die erste Assoziation ist: ,Strahlung ist böse‘, weil sie an Tschernobyl denken“, sagt Elisabeth Mara. „Den Wenigsten ist bewusst, dass man Strahlung für etwas Positives nutzen kann.“ Die Steirerin hat Anfang März ihr Doktorat an der Med-Uni Wien abgeschlossen. „In der Strahlenbiologie erforschen wir die Auswirkungen von Strahlung auf biologische Systeme, primär auf den menschlichen Körper“, erklärt sie. Ionisierende Strahlung ist neben Operationen und Chemotherapie eine wichtige Säule in der Krebstherapie. „Wir verwenden Strahlung als ein Therapiemittel. Üblicherweise wird Röntgenstrahlung eingesetzt, über die wir schon relativ viel wissen“, sagt Mara.

Ihr Forschungsfokus liegt aber auf einer anderen Strahlenart: der Protonenstrahlung. Diese hat zahlreiche Vorteile, betont sie: „Mit Protonenstrahlung können wir den Tumor gezielter bestrahlen und normales Gewebe besser schonen.“ Dass gesundes Gewebe heil bleiben soll, ist die größte Herausforderung bei der Strahlentherapie. Denn die Behandlung zielt darauf ab, DNA zu schädigen und Zellen absterben zu lassen.

Biologische Wirksamkeit untersuchen

Allerdings passiert das nicht nur in den Krebszellen, sondern auch in gesunden Zellen. Deswegen ist der Einsatz einer geringen Strahlendosis und eine gezielte Bestrahlung des Tumors wichtig. „Bei der Protonenstrahlung ist die Dosisabgabe zu Beginn, beim Eintritt in den Körper, relativ gering, und kann dann gezielt zum Tumor hin gesteigert werden. Außerdem sind die Protonenstrahlen biologisch wirksamer“, erklärt die Forscherin. Die „relative biologische Wirksamkeit“ (RBW) ist auch Hauptthema in Maras Dissertation. „Das ist momentan das Maß, um verschiedene Strahlenarten miteinander zu vergleichen.“ Mara hat sich genau angesehen, welche Faktoren diese relative biologische Wirksamkeit beeinflussen und wie stark diese Einflussgrößen wirken.
Die Versuche führte Mara am MedAustron in Wiener Neustadt durch. Mit der dort verwendeten Protonenstrahlung ist diese Institution einzigartig in Österreich. Primär geht es um die Behandlung von Krebspatienten. „Aber von Freitag in der Nacht bis Sonntag in der Nacht können wir den Strahl für unsere Experimente nutzen“, sagt Mara.

Zur Strahlenbiologie kam Mara durch Zufall. Zuerst verschlug es sie wegen einer Anstellung als wissenschaftliche Mitarbeiterin an die Fachhochschule in Wiener Neustadt. „Und dann ist die Dissertation dazwischengekommen, und so bin ich da picken geblieben“, sagt sie.
Durch die Forschung am Wochenende zusammen mit ihrer Lehrtätigkeit an der FH hat Mara nicht viel Freizeit. „Für die Dissertation sind sehr viele Wochenenden draufgegangen, da war die Forschung immer Thema Nummer eins. Aber es ist natürlich viel Herzblut, deswegen akzeptiert man das.“ Auch wenn die Dissertation nun abgeschlossen ist, wird Mara der Forschung treu bleiben, bestätigt sie: „Von der FH habe ich noch ein Stundenkontingent, sodass ich weiter arbeiten kann.“

Wenn sie einmal nicht forscht oder lehrt, dann ist Mara viel unterwegs. „Weil mein Lebensgefährte in Klagenfurt wohnt, pendle ich zwischen Wiener Neustadt und Klagenfurt. Da bleibt zusätzlich noch Zeit auf der Strecke“, erklärt sie lachend. „Wir haben ein Wohnmobil, damit waren wir in den letzten Jahren sehr viel unterwegs. Weil ich meinen Lebensgefährten dazu gebracht habe, auch Segler zu werden, ist dieses Hobby in letzter Zeit intensiver geworden.“

Bessere Ergebnisse für Krebspatienten

Auch in ihrem Forschungsfeld braucht es Maras Begeisterungsfähigkeit, um Nachwuchs für die Strahlenforschung zu gewinnen: „Es gibt sehr wenige Strahlenbiologen – und das nicht nur in Österreich.“ Weitere wissenschaftliche Experimente in der Strahlenbiologie bleiben aber sehr wichtig, wie Mara sagt: „Es ist Forschung mit dem Ziel, neues Wissen zu generieren, um die Strahlentherapie zu verbessern und so auch das Ergebnis für den Krebspatienten.“

Zur Person

Elisabeth Mara (35) studierte an der FH Joanneum Biomedizinische Analytik und an der Uni Graz Molekulare Mikrobiologie. Seit 2013 ist sie wissenschaftliche Mitarbeiterin an der FH Wiener Neustadt und schloss im März das Doktoratsprogramm Medical Physics an der Med-Uni Wien ab. Mara forscht im MedAustron an den biologischen Effekten von Protonenstrahlung.

Alle Beiträge unter: www.diepresse.com/jungeforschung