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Geschichte

Ehebrecherin, starrsinnige Gralshüterin

Mit Cosima Wagner bestaunte die Musikwelt eine singuläre Erscheinung des 19. Jahrhunderts.

Als der Lebenshauch der 92 Jahre alten Dame am 1.April 1930 in der Bayreuther Villa Wahnfried gnädig verlischt, ist Cosima Wagner längst eine Weltberühmtheit. Tausend Kondolenzschreiben aus aller Herren Länder sollen eingetrudelt sein. Mit der Verabschiedung vor dem Festspielhaus in Form eines Staatsbegräbnisses endet ein großes Leben, das in seinem Überschwang Richard Wagners Œuvre durchaus entsprach. In Coburg erfolgt die Einäscherung.

In 33 „Annäherungen“ zeichnet die freie Autorin und Filmemacherin Sabine Zurmühl ein etwas differenzierteres Bild der – im wahrsten Sinne – Ausnahmeerscheinung Cosima Wagner (1837–1930) Die Nachwelt assoziiert mit ihr meist ihren latenten Antisemitismus und den ins Exaltierte gekippten künstlerischen Starrsinn. Aber da war noch viel mehr. Die Biografin gewährt uns einen Einblick in die Seelenwelt dieser oftmals verspotteten, gewiss überspannten Persönlichkeit, die sich aber in einer Männerwelt durchzusetzen wusste. Am Schluss ihres langen Lebens ehrte man sie entweder oder hasste sie, aber jedermann respektierte Cosima, die gefürchtete eigensinnige Hüterin des Erbes Richard Wagners. Sie verteidigte dieses Werk mit aller Macht und jener unglaublichen Leidenschaft, die ihr eigen war. Manchmal vergöttert, bisweilen bissig verspottet.