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Zeichen der Zeit

Von feiernden Königen in Krakau

Illustration zu Machauts Werken. Ms. Franc. 1584, Paris, Bibliothèque Nationale.
Illustration zu Machauts Werken. Ms. Franc. 1584, Paris, Bibliothèque Nationale.[ Foto: akg]
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Der um 1300 geborene Komponist und Dichter Guillaume de Machaut durchquerte mit seinem Dienstherrn, dem König von Böhmen, viele Länder. Die Chronik in seinem Epos „La prise d'Alixandre“ des in diesem von Kriegen und Pest verwüsteten Jahrhunderts ist bis heute eine der genauesten.

Die Anzahl der Bücher überstieg mittlerweile jede Vorstellung. Und so ärgerte sich im fernen Reims der Staatssekretär a. D. Guillaume de Machaut in seinen Briefen, dass er bei der Redaktion seiner sechsten Gesamtausgabe auf zahlreiche Fehler der Kopisten stieß. Weil inzwischen jeder drauflos fabulierte und der Gebrauch der Schriften bis hinab in den bürgerlichen Haushalt kaum zu bremsen war, kamen die Werkstätten mit dem Schreiben nicht mehr nach, und er musste das Inhaltsverzeichnis noch einmal korrigieren. Selbst die Notensetzer und Illuminatoren ließen sich zu viel Zeit. Doch sie waren es erst, die den schreibenden Diplomaten im Laufe der vergangenen Jahrzehnte so berühmt gemacht hatten, keiner konnte mit den Versen zugleich auch so kunstvoll musizieren. Und wie herrlich waren nicht die Abbildungen darin geworden! Machaut, der Verfasser, wird von den Allegorien Nature und Amours angespornt, den richtigen Ton zu finden. Im Bild sieht man sie, wie sie zu seiner Klause kommen und ihm ihre Kinder vorführen: Der Natur dienen Vernunft, Rhetorik und Musik, Amor bringt Dous Penser, Gefallen und Hoffnung mit sich. Auch deshalb waren seine Werke so kostbare Einzelstücke, und das schönste Kompendium von allen hatte der Herzog von Berry eben für seine Sammlung erstanden.

Er sei sich trotzdem gar nicht sicher, vermerkt er im Prolog, wie der Dichter das Gleichgewicht zwischen Fiktion und Wahrheit, oder besser gesagt: zwischen der Kunst und der Natur am besten erreiche, aber mithilfe der Musik sei fast alles zu schaffen. Sie kuriere die Leiden, stärke den Mut und schütze die Liebenden, drum seien auch seine Kompositionen unverrückbarer Anteil in diesen Erzählungen, die randvoll mit Briefen, Gedichten und Liedern, aber auch mit Chroniken großer Heldenleben bestückt sind. Und sie alle klingen noch immer mit seiner kraftvollen Stimme nach, ob es sich um die Schrecken der Pest von 1348 oder sein spätes Liebesglück mit Peronne d'Armentières handelt, gefüllt mit anagrammatischen Rätseln und Stimmkreuzungen, sodass auch die Kenner darin ihr Vergnügen finden. Dabei war er auch als Mittsechziger noch viel beschäftigt: Seine Berichte umfassen den Besuch beim Papst in Avignon im März 1363, die Krönungsfeierlichkeiten Karls V. im Frühjahr 1364 und schließlich den Königskongress in Krakau im September des Jahres 1364, von dem hier die Rede sein soll.