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Literatur

Das Herz hüpft bis in die Haarwurzeln

Katharina J. Ferner
Katharina J. FernerMark Daniel Prohaska
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Im Lyrikband „krötentage“ erfindet Katharina J. Ferner eine neue Sprache der Liebe.

Es sind Liebesgedichte, aber zum Glück nicht als solche ausgeschildert, denn weder haben es diese Gedichte nötig, durch das Interesse zu punkten, die das Genre noch immer auf sich zieht, noch erfüllen sie einfach die Erwartungen, die es auslöst. Die Rede ist von Katharina J. Ferners Lyrikband „krötentage“, dessen Gedichte oft ein Du ansprechen, aber keine stabile Ich-Du-Achse aufbauen – so vielfältig sind die darin aufblitzenden Situationen und Erlebnis-Fragmente, dass schon das Ich als Ensemble verschiedenartiger Blicke und Gesten erscheint, während der Adressat erkennbar nicht immer derselbe ist.

Die Ich-Du-Konstellation prägt aber keinesfalls alle Gedichte, und sie ist verflochten mit der Pflanzen- und Tierwelt. Schon das Eröffnungsgedicht beginnt mit „grasknäul“, und sie „verknoten sich zum lustgarten“. Das titelgebende Gedicht setzt die Kröten in kreative Sprachbilder, und gegen Ende des Bandes findet sich die schöne Zeile „wir lieben uns libellengleich“, während das Schlussgedicht „unanständige gedanken“ in Schluchten und Schlingpflanzen gedeihen lässt.

Der Beginn des vierten Gedichts – „welche bedeutung worte bekommen“ – gilt nicht nur für die Liebe, sondern auch für Katharina J. Ferners Gedichte. Ob von der Natur die Rede ist oder von der Nähe der Körper – sie findet neue, unverbrauchte Wortkonstellationen, und sogar das alte Wort „Herz“, die schlimmste Klischee-Falle der Liebesgedichte, wird wieder „brauchbar“ in Versen wie diesen: „das herz hüpft mir bis in die haarwurzeln / du zündest die spitzen an und wartest“.