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Third Mission

Die dritte Rolle der Universitäten

Die Unis wollen stärker nach außen wirksam sein. Die „Kinderuni on tour“ setzt das Motto in öffentlichen Parks wörtlich um.
Die Unis wollen stärker nach außen wirksam sein. Die „Kinderuni on tour“ setzt das Motto in öffentlichen Parks wörtlich um.Kinderbüro Universität Wien/AP
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Neben Lehre und Forschung sehen es die heimischen Unis zunehmend als ihre Aufgabe, einen Beitrag zur gesellschaftlichen Entwicklung zu leisten – und das zu kommunizieren.

In Europa ist der Begriff der „third mission“ vor allem seit 2012 lanciert worden. Damals wurde das EU-Projekt E3M präsentiert, mit dem Ziel, universitäre Lehre und Forschung weiter in die Mitte der Gesellschaft zu tragen. Gemäß dieser damaligen Definition steht die „dritte Mission“ auf drei Säulen: Technologietransfer und Innovation, wissenschaftliche Weiterbildung sowie soziales Engagement. Wie die einzelnen Unis das umsetzen, ist ihnen überlassen. „Die WU versteht ,third mission' als eine sehr umfassende Rolle im gesellschaftlichen Umfeld. Sie sieht sich als ,responsible university', als Universität, die Verantwortung übernimmt“, sagt WU-Rektorin Edeltraud Hanappi-Egger. Die WU ist etwa Partnerin in zahlreichen Innovationsnetzwerken wie bei RCE Vienna, einem Netzwerk für Forschung, Bildung und Wissenstransfer zu Fragen regionaler und transregionaler nachhaltiger Entwicklung.

 

Kinder im Blickpunkt

Wann die Uni Wien das Thema „third mission“ ins Auge gefasst hat, lässt sich laut Sprecherin Cornelia Blum nicht genau sagen. „Definitiv hat das Thema in den vergangenen fünf Jahren an Bedeutung gewonnen.“ Seitdem wurden entsprechende Strukturen sukzessive aufgebaut, Projekte auf- und umgesetzt. Einige davon kommen aus dem Kinderbüro der Universität, das auf vielfältige Art und Weise Wissen zu den jüngsten Mitgliedern der Gesellschaft transportiert. Neben der Kinderuni Wien bietet etwa das ehemalige Spin-off der Uni „DemokratieWEBstatt“, wo Kinder und Jugendliche spielerisch an Demokratie und Politik herangeführt werden. Initiativen wie „Uni Club“ und „Campus Kids“ bringen junge Menschen mit Entscheidungsträgern zusammen. Und die Kinderuni Wien entwickelt Mediennutzungsprogramme wie „Internet Hero“.

„Im Grunde haben die Universitäten immer schon die Aufgabe gehabt, ihre Forschungsergebnisse in die Öffentlichkeit zu tragen. Und sie hatten auch immer schon einen gesellschaftlichen Auftrag, weil sie die Studierenden für ihre Berufslaufbahn vorbereiten“, sagt Martina Merz, Vize–Rektorin für Forschung an der Universität Klagenfurt. Der Antrieb für die Universitäten, sich dieser „third mission“ verstärkt zu widmen, sei aus der Wissenschaftspolitik und der Öffentlichkeit gekommen, „weil neue Formen des Engagements, etwa bei den Themen Armut, Klima und sauberes Wasser, gefordert sind“. In Klagenfurt wurde keine separate Infrastruktur für diese „third mission“ geschaffen; vielmehr hat man sich auf das bestehende Know-how fokussiert, zum Beispiel bei Kultur und Bildung. „Leider fließen sehr viele Fördermittel in Forschungsprojekte, die mit der Wirtschaft zusammen abgewickelt werden. Bildung und Kultur brauchen mehr davon“, sagt Merz. Nichtsdestotrotz konnte im Rahmen des Erasmus+-Programms „Eternal Echoes“ umgesetzt werden, eine interaktive Lernplattform, die mithilfe von Zeitzeugen-Videos, Begleitmaterialien, historischen Quellen und Fotos über den Holocaust informiert. Schüler im Alter von 14 bis 17 Jahren sollen die NS-Vergangenheit kennen, um vor diesem Hintergrund Ereignisse und Fragen der Gegenwart reflektieren zu können. Somit trägt es bei, Werte wie Menschenrechte, Gleichberechtigung und Demokratie bei jungen Menschen zu fördern.

 

Wissen für die Industrie

Die TU Graz hat 2012 offiziell damit begonnen, sich ihrer „third mission“ zu widmen, „doch Maßnahmen, die unter diesen Begriff fallen, gab es schon viele Jahre an der TU Graz“, sagt Claudia von der Linden, Vize-Rektorin für Digitalisierung und Change Management. Im Themenfeld Technologietransfer und Innovation ist vor allem das Beteiligungsmanagement anzuführen, mit dem die TU Graz Synergien zwischen Wissenschaft und Industrie schafft. „Wir sind in 28 von 42 Kompetenzzentren, K-Projekten und Comet-Modulen in Österreich als wissenschaftliche Partnerin involviert und belegen damit eine österreichweite Spitzenposition im Comet-Förderprogramm der FFG“, erläutert von der Linden.

 

Gemeinsam für Flüchtlinge

Das soziale Engagement der TU Graz manifestiert sich beispielsweise in der Initiative „More“. Dieses Programm, an dem alle heimischen Universitäten beteiligt sind, richtet sich an Personen mit Fluchthintergrund: Im Rahmen der Initiative ermöglicht die TU Graz Asylwerbern und Flüchtlingen einen ersten Einblick in die Universität und gibt all jenen Orientierungshilfe, die noch nicht um Zulassung zu einem regulären Studium an der TU Graz angesucht haben, aber später eventuell ein solches aufnehmen möchten.

Web: www.uniko.ac.at/themen/more/was-ist-more, www.eternalechoes.org

 

www.rce-vienna.at/de

 

www.kinderbuero-uniwien.at

("Die Presse", Print-Ausgabe, 18.06.2022)