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Äthiopien

Im Land der Dürre droht der „perfekte Sturm“

In Äthiopien bahnt sich – wie am gesamten Horn von Afrika – eine Hungerkatastrophe an. Trockenheit und spärliche Regenzeiten haben Menschen und Tiere ausgezehrt. Nun bekommen die Bauern auch noch die Folgen des Ukraine-Kriegs zu spüren.

Die Heuschrecken brachen über das Dorf herein wie eine biblische Plage. In Schwärmen fielen sie surrend über alles her. Erst nach fünf Monaten war der Schrecken zu Ende und das Gras kahl gefressen. Das Schlimmste freilich stand den von Dürre und Not ausgezehrten Bauern in Luka im Südwesten Äthiopiens noch bevor: Die Kühe, ihre Existenzgrundlage, verendeten nach und nach. „So etwas haben wir noch nie erlebt“, erzählt einer der Dorfältesten, die sich in der Mittagshitze unter einem Baum versammelt haben, um den „Ferenji“ – den Weißen – davon zu berichten. „Vielleicht hat Gott uns eine Strafe geschickt“, sagt der Mann im abgewetzten, verstaubten Sakko. „Aber wir haben überlebt.“

Drei Jahre später lagern Kühe und Ziegen um den Tümpel, ein mit Hilfe von Caritas-Spenden in fünf Metern Tiefe ausgehobenes Reservoir für Notzeiten, das sich nach Ende der spärlichen Regenzeit im Mai schon wieder bedenklich geleert hat. Viele sind herbeigeströmt: ein Mann, der in den Ästen eines kahlen Baums hockt; Buben mit Äxten, Macheten und Speeren – ihren Arbeitswerkzeugen. Schule kennen sie nur vom Hörensagen. Statt oft stundenlang zur Schule zu gehen, hüten sie das Vieh, während ihre Schwestern der Mutter zur Hand gehen.