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Pizzicato

Der Sturz des Potus

An Sommertagen herrscht zur Wochenend-Rushhour von neun Uhr morgens bis neun Uhr abends auf Radwegen ein Gewusel und Gewurl wie bei einer Tour-de-France-Etappe. Alles, was Räder hat, rollt.

In den Sanddünen von Rehoboth Beach am Atlantik in Delaware schwang sich auch ein 79-Jähriger auf den Sattel, um mit seiner Frau zum 45. Hochzeitstag „auszureiten“. Der Radweg war währenddessen für die Öffentlichkeit gesperrt, und hinterher zogen eine Karawane von Secret-Service-Leuten auf Rädern und Golfcarts, ein Journalistentross sowie ein Ärzteteam für den Fall der Fälle.

Bei dem VIP handelte es sich um den Potus, um den „President of the United States“ – Amerikaner lieben derlei Abkürzungen und Akronyme. Mustergültig trug er Helm und Handschuhe. Doch Joe Bidens Sneakers verhakten sich beim Stehenbleiben in den Pedalen, und er kam zu Sturz. So what? Ein kleines Malheur.

Sekunden später waren die symbolträchtigen Fotos vom Sturz des Potus in der Welt – ein PR-Albtraum. Die Republikaner werden die Sequenz im Wahlkampf rauf und runter spielen, Donald Trump wird seinen Spott ausgießen. Biden aber schüttelte sich ab, sprach leutselig mit den Zaungästen und fuhr weiter. Politiker sind darauf konditioniert – und Biden nach 50-jähriger Karriere in Washington im Speziellen: Fallen, aufstehen, weitermachen. (vier)

Reaktionen an: thomas.vieregge@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 20.06.2022)