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Gaskrise

Das Comeback der Kohle in Österreich

Das Kraftwerk in Mellach soll wieder auf Kohle umsteigen.APA/HELGE SOMMER
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In Reaktion auf die gedrosselten Gaslieferungen rüstet der Energiekonzern Verbund das Kraftwerk Mellach in der Steiermark auf Kohle um.

Der russische Energiekonzern Gazprom hat auch am Sonntag um die Hälfte weniger Erdgas nach Österreich geliefert als üblich. Das zwingt die Regierung zumindest zu einem kleinen Kurswechsel. Zwei Jahre nachdem das Land seinen Kohleausstieg gefeiert hat, ist der Ausstieg schon wieder Geschichte.

Der halbstaatliche Energiekonzern Verbund wird das derzeit stillgelegte Gaskraftwerk Mellach wieder auf den Betrieb mit Kohle umrüsten, informierte das Bundeskanzleramt am späten Sonntagabend über die Ergebnisse des kurzfristig einberufenen kleinen Krisenkabinetts.Energieministerin Leonore Gewessler (Grüne) sagte danach in der „ZiB 2“, die Umrüstung werde Monate dauern, der Verbund-Konzern arbeite mit Hochdruck daran. Ziel sei es, die Abhängigkeit von Russland zu verringern, um nicht erpressbar zu sein, sagte die Ministerin. „Das wird für Österreich Jahre dauern.“
Damit folgen Kanzler Karl Nehammer, Wirtschaftsminister Martin Kocher (beide ÖVP) und Leonore Gewessler (Grüne) einem internationalen Trend. Seit Ausbruch des Ukrainekrieges ist das besonders klimaschädliche Verbrennen von Kohle wieder im Vormarsch. Auch der deutsche Wirtschaftsminister, Robert Habeck, entschied am Sonntag, künftig wieder verstärkt Strom aus Kohle erzeugen zu wollen.

6,6 Milliarden für volle Speicher

Die Versorgungssicherheit ist bei Kohle angesichts einer breiteren Palette an Lieferanten deutlich besser als bei Gas, günstiger wird es für Stromkunden dadurch aber nicht werden.

Seit letzter Woche drosselt Gazprom die Energielieferungen in die Europäische Union, betroffen sind vor allem die drei Großen: Deutschland, Italien und Frankreich. Frankreich erhält derzeit gar kein russisches Gas, die Zuflüsse nach Italien wurden um die Hälfte und nach Deutschland um 40 Prozent verringert. Gazprom gibt technischen Problemen im Zusammenhang mit der Ostseepipeline Nord Stream 1 die Schuld.

Die gedrosselten Gaslieferungen seien vorerst kein Grund zur Sorge, beruhigten E-Control und OMV auch am Wochenende. Das liegt einerseits am Sommer: In Sommermonaten liegt der Gasbedarf in Österreich bei rund vier bis sechs Terawattstunden, in Wintermonaten bei zehn bis zwölf Terawattstunden. Zudem sind die Speicher in Österreich verhältnismäßig gut gefüllt. Aktuell lagern 38,4 Terawattstunden Gas – das ist genug, um etwa 39 Prozent des gesamten Jahresverbrauchs abzudecken. Bis Herbstbeginn soll der Speicherstand auf 80 Prozent klettern. Um das zu gewährleisten, will die Regierung zwanzig Terawattstunden Gas als staatliche Reserve selbst zukaufen und will dafür bis zu 6,6 Milliarden Euro zur Verfügung stellen.

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